Immer wenn für mich etwas Besonderes geschieht, werde ich es hier in mein Tagebuch schreiben
um das gerlernte nicht zu vergessen!

 

 

 

zwoa Regentropfn

Bei an Nochmittogs Spaziergang schau i in den Himml:

Sou kloa san die Regentropfn, die aus da Woikndeckn foin,

die uns vergoungane Nocht zuadeckt hot

und durch die entstoundene Hitz der Liab,

san die Tropfn gounz oafoch verdoumpft.

Wenn i so ganz stü dosteh, kummt ma via,

das der liabliche Daumpf, wie der am Berg hängende Nebl is,

mein Körper owi rinnt und däis Leben mit seinen Eckn und Kantn glot mocht.

So glot, dass die Lieb meines Lebens ihre Augen schlieaßt,

wenn’s ihrn Kopf auf mei Brust legt

und sich mit an z’friedenen Lächeln in die Nocht tramt.

 

 

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I steh hinter dir

mei Atem berührt deini Hoor

und meine Händ die deinan.

Unsre Liab fließt durch Geist und Körper.

Däs läzti Eis schmüzt und wird zu Wossa.

Die Sunn mocht deis Wossa woach und sonft.

Zwoa Tropfn hoidn si an die Händ

und schwimmen mit’n Bachal in dein großn See.

Durt wortn’s eng umschlungan

bis die Sunn sie leicht wir a Fäida mocht

und as Weükn in den Himml bittet.

Erster Tag

Es war höchste Zeit mich wieder auf ein Abenteuer einzulassen. Ich glaube, es soll einfach die Uhr die in mit tickt gestellt werden und ich soll mich wieder selbst finden.

Mein Plan war, eine Wanderung von Sterzing über die Berge zum Gardasee zu machen. Es sollten so um die 300 km sein.

Diese Tour möchte ich alleine machen, obwohl ich keine Erfahrungen hatte – es sollte wohl Nervenkitzel genug sein. Für mich ist es wichtig, mein Vertrauen zu mir selbst zu stärken.

Erst ein paar Tage vor meiner Abreise, machte ich mir Gedanken über meine Wanderung. Erst als ich anfing meine Sachen zu packen, spürte ich wie in mir die Spannung stieg (war ja auch früh genug).

An einem Septembermorgen mit einem wunderschönen Sonnenaufgang über Fischbach begann mein Abenteuer. Vieles, auf was ich mich einließ, war für mich Neuland. Mit dem Zug von Leoben nach Sterzing zum Beispiel. Das erste und letzte Mal, als ich mit dem Zug fuhr, war ich so um die 15 Jahre. So wie ich meine Fahrkarte kaufte, musste sich der Typ ja denken: „Der sieht zwar aus wie ca. 50, aber verhält sich so, als sei er gerade 15 Jahre und einen Tag...“

Na dann, auf los geht’s los: Meinen Fahrplan in der Hand, glaubte ich, dass es wohl eine bequeme Reise werden würde, ohne viel Nachdenken – eine schöne gemütliche Zugreise eben...Da zeigte es sich aber, wie grün ich hinter den Ohren war. Denn beim ersten Mal umsteigen hatte der Anschlusszug 1 Stunde Verspätung und es war nichts mehr so wie es am Plan stand. „Na dann halt keine gemütliche Zugreise... sondern Abenteuer und: Action!!!“, dachte ich mir. Die Schaffner hatten alle Hände voll zu tun, die aufgebrachte Meute (wo Viele ihren Unmut lautstark von sich ließen) von einem Bahnsteig zum andern zu lotsen, damit sie ihren Anschlusszug erwischten. Mit viel Aufregung hin und her, vielen interessanten Menschen die ich kennenlernen durfte, erreichte ich mit etwas Verspätung Sterzing. Beim Abendessen saß ich alleine bei einem Tisch, aß Pizza, hörte den Menschen zu und genoss es still zu sein.

 

 

Tag 2 ("Have a good Journey!")

Die Sonne schien, es war kühl und ringsherum Berge...

Ich schloss meine Augen und atmete tief ein. Ich konnte den Schnee riechen, der über Nacht die Berge leicht an gezuckert hat.

Schon als Kind konnte ich den Schnee riechen, noch bevor die ersten Flocken vom Himmel schwebten und langsam, leise, sanft die Erde berührten. Es gelang ihnen immer, mir ein Lächeln zu entlocken.

Ich blieb noch eine Weile stehen, um diesen Moment zu genießen. Ich genoss die unheimliche Kraft, die wie eine Welle auf mich zu kam und mich einschloss. In jeder Faser meines Körpers spürte ich diese Kraft und ich konnte es kaum erwarten, bis ich losgelassen wurde. Das Feuer brannte in mir – mein Blick wurde klar – mein Wille stark...Aber einen Tag musste ich mich trotzdem noch gedulden. Ich ging ins Tourismusbüro, besorgte mir Wanderkarten und begann meine Route einzuzeichnen, was ich auch zum ersten Mal tat.

(Ich bin zwar Wanderreitführer, aber vor dieser Arbeit habe ich mich bis hierhin einfach noch gedrückt.) Naja, wie ich mich in den Bergen zurechtfinde, hängt wohl auch davon ab, wie gut ich mich hier und jetzt vorbereite und wie ich mich mit dem Kartenmaterial zurechtfinde.

Es dauerte zwar eine Weile, aber bis zum Abend hatte ich alles eingezeichnet und mir so zurechtgelegt, dass ich jederzeit schnell Zugriff hatte.

Nach den Abendessen ging ich noch ein Glas Rotwein trinken und hatte dabei ein schönes Erlebnis: Da war ein Kellner und eine Wirtin, sie hatten viel zu tun. Aber ich merkte vom ersten Augenblick an, dass sie ihren Beruf liebten. Da waren Menschen, die etwas über den Durst getrunken haben, und nicht immer die besten Worte fanden. Aber die Beiden behandelten die Gäste respektvoll. Da waren auch junge Menschen, die beim Kellner zahlen wollten. Dieser achtete weder darauf, wie viele Getränke sie hatten, noch ob sie ihm die richtige Summe in die Brieftasche warfen. Dieses Vertrauen wurde belohnt indem ein Junge zurückkam, da er vergessen hatte, etwas zu bezahlen.

Und die Wirtin: Obwohl sie alle Hände voll zu tun hatte, nahm sie sich noch eine Weile Zeit um mit ihnen ein paar Worte zu reden und wünschte ihnen noch eine schönen Abend und ein baldiges Wiedersehen.

 

Irgendwann auf meiner Wanderung rief mir ein Mann zu: „Have a good journey!“

 

 

Tag 3 ("Have a good Journey!")

So gegen 4 Uhr öffneten sich meine Augen. Ich lag noch eine Weile ganz ruhig im Bett, beobachtete meinen Atem und hatte ein leichtes Lächeln im Gesicht. Spüren konnte ich die Wärme unter der Decke und war gespannt und glücklich.

Um 5 Uhr stand ich auf, packte meine Sachen und zog los. Als ich so durch die Gassen von Sterzing ging, kam mir der Duft von frischem Brot in die Nase. „Mmmmmh, heimelig...“, dachte ich und atmete tief ein. So ging ich weiter zum Busbahnhof, setzte mich ins Kaffeehaus, trank einen Cappuccino und hörte den Menschen aufmerksam zu.

Es war interessant, welche Herausforderungen Menschen haben, die in den Bergen leben.

Je näher die Zeit meiner Abfahrt rückte, desto mehr kribbelte es in mir. Ich konnte nur schwer ruhig sitzen bleiben. Immer wieder kontrollierte ich mein Gebäck, ich wollte endlich los gehen! Ich kam mir vor, wie ein Schlittenhund im Rudel, der nur darauf wartete, bis er endlich

losgelassen wird. Ich schwang meinen Rucksack auf meinen Rücken, ging raus aus dem Kaffeehaus und stieg in den Bus. Nun fuhr ich also von Sterzing nach Ridnaun. Und beim Bergbaumuseum begann meine Tour.

Schon die ersten Kilometer gingen steil bergauf – genau richtig für mich, damit ich richtig Dampf ablassen konnte! Nach einiger Zeit kam ich zur Ruhe…„vom Blick eines Wolfes zum Blick eines Schafes“…die Atmung wurde gleichmäßig und meine Schritte passten sich an den Rhythmus meiner Atmung an. Ich spürte richtig, wie meine Augen sanft wurden und wie sich ein grenzenloses Lächeln in meinem Gesicht breit machte. Mit jedem Schritt den ich tat, ließ Mutter Erde ihre ganze Kraft in jede Zelle meines Körpers fließen.

Glaubt mir, dass war noch lange nicht alles: Der Wind blies mir entgegen und richtete meinen Körper auf. Da sah ich, wie viele kleine Bäche die Berge hinunter schossen und sich kraftvoll den Konturen der Berge anschmiegten. Da schloss ich meine Augen und ließ es wirken. Ich fühlte wie das Blut in meinen Adern kochte, als ob das hier alles ein Teil von mir wäre.

Schon am ersten Tag kam ich mir selbst näher, als ich es mir jemals war…

 



Tag 4 ("Have a good Journey!")

Moos in Passeier: Es war ein kleines Dorf, wo ich mich diesen Morgen streckte und reckte. Ich brauchte nicht nachzusehen, ob bei mir alles vorhanden ist, nein nein, ich fühlte es.

So dachte ich, dass dieser Körper hier im Bett heute so an die 30 km gehen soll und einen Höhenunterschied von 1800m dabei bewältigen soll.

Naja, dann raus aus dem Bett und los geht’s mit der täglichen Gymnastik!
Und siehe da, nach einer schwachen Stunde sah die Sache schon recht gut aus… Ich leckte schon wieder Blut… die Vorfreude war groß…

Um 6 Uhr Morgens stand ich schon am Dorfplatz, obwohl es erst um halb 8 Frühstück gab. So spazierte ich noch im Dorf herum, genoss einen herrlichen Sonnenaufgang und hörte dem Bach bei seinem Morgenlied zu.

Nach und nach kam leben in den Tag (war ja auch höchste Zeit). Wenn es nach mir geht, könnte so ein Tag schon etwas früher beginnen.

Endlich war es so weit: Frühstück! Ein alter Bauerntisch war schön gedeckt. Am liebsten hätte ich sofort begonnen zu frühstücken, da mein Magen schon so ein Wort wie Hunger in den Mund nahm, aber ich wollte meinen Augen noch etwas Zeit geben, um diesen Anblick so richtig auszukosten zu können.

Das Frühstückt war köstlich, ich ließ mir eine halbe Stunde Zeit. Plötzlich spürte ich in mir schon wieder diesen Drang zu gehen.

Es ging gleich zu Sache über steile Wiesen die noch feucht vom Tau waren.

Durch die Sonneneinstrahlung verdampfte das Wasser, der Nebel stieg auf. Herrlich – ich blieb also stehen und genoss dieses Bild – wow was für ein Morgen!

Nach einigen Kilometern traf ich zwei Bäuerinnen die mit ihrem Nachwuchs einen Morgenspaziergang machten. Ich begann mit ihnen zum plaudern, erzählte ihnen von meinem Vorhaben und dass ich auch Landwirt sei. Mich interessierte, wie sie diese steilen Hänge bewirtschaften. So fingen sie an zu erzählen und begleiteten mich einen Stück meines Weges. Es war herrlich ihnen zu zuhören. Sie umschmückten ein jedes Detail ihrer Handlungen, dass man sofort erkennen konnte, dass sie ihre Arbeit aus Leidenschaft machen. Als sich unsere Wege trennten blieb ich stehen und ließ diese Worte noch einmal so richtig wirken, meine Augen bewegten sich langsam durch die Landschaft, man konnte es überall sehen.

Arbeit aus Begeisterung und Leidenschaft ist sichtbar gemachte Liebe.

ich wandere weiter über die Bergwiesen vorbei an mächtige Felswände, wo das Blut der Erde sich mit Freude hinunterstürzte. Da stand ich nun vor so einen Wasserfall und schaute in ihn hinein. Von der Ferne hörte ich den Donner. Diese Wassertropfen bewunderte ich, wie sie gemeinsam den Felsen formten und so schön machten, als würden sie auf Brautschau gehen.

Je näher ich hinkam, desto mehr spürte ich, wie stark die Kraft dieses Lebewesens war.

Ich ließ mich auf die Welt des Wassers ein, ging näher und näher. Auf einmal verspürte ich eine unbändige Kraft die mir sogar das Atmen erschwerte. Langsam wurde sie aber sanft und lächelte mich liebevoll an und lud mich in ihre Welt ein.

Die Wassertropfen wurden noch kleiner, und verwandelten sich in eine schützende Wasserwolke, bis nichts mehr von der Welt da draußen zu hören war. Es war die Musik des Wassers die mich berauschte und wieder hatte ich das Gefühl geborgen zu sein.

Das Wasser zeigte sich von seiner Stärke und auch von der sanften Seite. Es behandelte mich wie Bruder und Schwester und sich selbst.

Ich hatte das Gefühl es sprach zu mir diese Worte:

Ich bin du

und

ICH LIEBE DICH

Nach diesem Erlebnis kamen mir wieder viele Gedanken. Bei einigen Fragen, die ich so ans Leben hatte, ging mir ein Licht auf: „Oh Gott bin ich glücklich!“

Als ich so an die 4 Stunden unterwegs war, kam ich zu einer Brücke. Sie war gerade einmal so breit, dass eine Person Platz hatte. Der Gebirgsbach, der 3m unter ihr durchfloss, zeigte sich von seiner sanften Seite.

Ich blieb auf ihr stehen, sah ins Wasser, hörte und fühlte. Und schon wieder wurde ich berührt, ich musste lachen und zog weiter den Bach entlang in das Bergdorf Pfelters wo an diesen Tag Almabtrieb war.

Bei meiner Mittagsrast sah ich einen schon etwas älteren Mann. Seine Hände und sein Gesicht sahen aus, als hätten sie schon Vieles erlebt. Ich fragte ihn, ob es sich auszahlt den Panoramaweg zu gehen und wie lange ich noch zirka unterwegs sein würde, bis ich mein Ziel auf 2750m ereiche.

Er meinte, dass es sich bei diesem Wetter alle Mal auszahlt und dass ich ca. 4 – 5 Stunden unterwegs sein werde.

Ich überlegte noch etwas, dachte mir dann, dass das Wetter herrlich ist und rundherum die Berge mit Schnee bedeckt sind. So entschloss ich mich dafür!

Auf los geht’s los! Es zahlte sich wirklich aus. Viele, viele Bilder speicherte ich in mir. Nach 3 Stunden Panoramaweg erreichte ich auf 1800 m noch eine Raststadion. Der nun folgende Weg verlangte mir so ziemlich alles ab:

2 Stunden, 1000 Höhenmeter, 16 Kilo am Rücken. Nass und glitschig war alles. Ich musste wirklich die Zähne zusammen beißen, dass ich bevor die Nacht einbricht, mein Ziel ereiche.

Nach 9 Stunden Marsch erreichte ich, aus dem letzten Loch pfeifend, mein Ziel.

 

 

Tag 5 ("Have a good Journey!")

 Stettinerhütte, 2750m um 5 Uhr: Es war noch dunkel, aber es kam schon Bewegung ins Lager, denn viele wollten sich den Sonnenaufgang anschauen.

Ich kann nur sagen: „Einfach schön“! Da stand ich still da, sah die schneebedeckten Gipfel rund um mich und die Sonne die die Berge aussehen ließ, als wurden sie in Blutorangen getaucht. Ich war zufrieden und glücklich.

Ja mir geht´s gut.

Ab 6.30 Uhr gab es Strom und Frühstück und zum waschen kaltes Wasser. Ich dachte mir nur: „Das gibt’s doch nicht“! Ich hatte bis jetzt immer geglaubt, dass das Wasser bei 0 Grad zu Eis wird. Nicht einmal eine Spiritus Zugabe konnte ich riechen. Da mussten wir aber alle durch – auch ich.
Beim Frühstück wurden noch einige Informationen ausgetauscht.
Um 8 Uhr ging ich los. Es war gefroren und roch stark nach Ziegen die in diesen Höhen weideten.
Noch ein paar 100 m bergauf über eine kleine Gletscherzunge zum Gipfel.

Der Blick in dieses Tal wirkte auf mich einladend, die Berge waren sanfter, man hörte das Rauschen vieler kleiner Bäche und die Glocken der Ziegen.
Ich holte noch einmal tief Luft und versuchte alles was rund um mich war wahrzunehmen. Z.B. die vorbeiziehenden Wolken: Ich spürte den Wind auf meiner Haut und die Sonne im Gesicht.
Als ich das Gefühl hatte, die Natur ist in jede Zelle meines Körpers, spürte ich auch wie meine Kraft in mir wuchs.

Seele, Geist und Körber haben sich zu einer Einheit verbunden und meine Füße begannen einfach zu gehen. So gingen sie auch über Steine und Geröll. Ein jedes Bild vor meinem Auge und ein jeder Gedanke war weich und sanft.

Friede!

Das war das Wort für diese Stimmung.

Ich ließ mich von dieser Stimmung tragen und das Gefühl beschenkt zu werden, nahm seinen Lauf.

Als ich nach 5 Stunden Wanderung (angefeuert von Murmeltieren) mein Zwischenziel erreichte, nahm die Welle des Glücks seinen Lauf. Ich musste einen Teil meiner Strecke heute mit Auto und Zug zurück legen.
Es dauerte keine 5 min und es war auf diesem entlegenen Platz ein Taxi, das mich ein paar Kilometer vorbei an Reinholt Mesners Schloss zum Zug brachte.
Ein kleines Stück mit den Zug, ein kleines Stück zu Fuß und dann hielt ich schon einen Autofahrer an, um eine Auskunft einzuholen. Er hörte mir zu und sagte: „Komm steig ein, ich bring dich gleich zum Einstig deines Weges“. Das Ganze dauerte gerade mal eine gute Stunde.

Ich setzte mich auf einen umgefallenen Baum und freute mich über dieses Glück.
Die nächsten Stunden waren einfach zu gehen, es gab nur diesen einen Weg bis an mein Ziel auf 1500m.

Eine etwas resche Wirtin begrüßte mich brachte mich auf meinen Lagerplatz und zeigte mir noch die Waschmöglichkeit und – wieder war ich glücklich!
Alleine in einem riesigen Lager, das hieß schlafen und träumen ohne ein neben Geräusch und es gab warmes Wasser. Ich konnte mal meine ganze Wäsche waschen.

Beim Abendessen genoss ich die Sonne und ließ diesen Tag noch mal durch mich durchlaufen und genoss die Zufriedenheit die in jeder Faser meines Körpers spürbar war.

 

 

Tag 6 ("Have a good Journey!")

So um 2 Uhr Nachts zog ein Gewitter auf. Die Alm auf der ich übernachtete war so zirka auf 1700m, es war ein imposantes Schauspiel: Der Donner, der anfangs ganz schwach war, schaukelte mich in den Schlaf, er nahm aber zu und wurde mit der Zeit immer mächtiger. Mir kam vor, dass die ganze Hütte wackelte, wenn der Donner über sie hinweg rollte.

Um 6 Uhr wurde es hell und es regnete gleichmäßig dahin, der Wind blies und ich zog mich mal an um zu sehen wie sich das mit meiner Regenausrüstung anfühlte.

Die Arbeit war um sonst, denn nach dem Frühstück hörte es auf zu regnen. Ich habe nichts gegen den Regen, er ist ja wirklich etwas Schönes. Ich mag es, wenn die Regentropfen über mein Gesicht laufen und meine Lippen berühren… Ich habe mit dem Regen schon wunderschöne Momente in meinen Leben erlebt, aber ohne ihn wird es beim Kartenlesen sicher leichter.Nach dem Frühstück gingen die Wirtin und ich vor die Hütte. Auf den Bergen lag Schnee und der Nebel zog umher. Ich fragte sie wie sie die Situation so einschätzte und ob sie mir helfen könnte. Sie meinte: „Ich lebe zwar hier, aber war noch nie auf den Bergen.“

Ich wusste nicht so recht wie ich mit dem Nebel umgehen sollte. Würde er dichter werden, so könnte es sein, dass ich genau dort bleiben muss, wo ich gerade bin bis er sich wieder verzogen hat. Ich merkte, dass ich schon wieder zu viel grübelte, statt zu horchen was mein Gefühl zu mir sagte.Ich nahm mir Zeit, zog mich zurück. Etwas in mir sagte, dass heute ein besonderer Tag sei. Ich schaute noch einmal zum Berg hoch und ließ mir Zeit. Mein Blick wurde klar, die Stimme in mir sagte: „Geh“.

Na dann, auf los ging’s los.

Nach kurzer Zeit spürte ich eine starke Kraft in mir. Mein Vorwertsdrang war enorm. Es fühlte sich alles so klar und rein an, alles was ich tat war selbstverständlich. Jeder Schritt war sicher.Nach einer guten Stunde ging ich im Schnee und ließ die letzten Bäume hinter mir. Ich bewegte mich von Stein zu Stein und über Geröll. Die Markierungen sah ich schon immer schlechter und ich musste den Schnee entfernen, damit ich wieder zurückfinden konnte, wenn das Gelände zu anspruchsvoll werden sollte. Ich schaute mich immer wieder um, ob die Markierungen auch sichtbar waren.

Erst nach einiger Zeit viel mir auf, dass über den Markierungen Steinmännchen aufgestellt wurden, um sich im Gelände besser orientieren zu können.Der Nebel ließ eine Sicht von etwa 200m zu. Ab und zu riss es auf und man konnte für eine kurze Zeit bis ins Tal sehen.Je höher ich stieg, umso mehr Schnee lag. Ich hatte mich bis heute noch nie in so einem anspruchsvollen Gelände bewegt.

Ich war angespannt und konzentriert. Mir war auch bewusst, dass ich bei so einem Wetter kaum Menschen treffen würde. Ich war auf mich selbst gestellt. Es war eine tolle Herausforderung. Ich war mir darüber bewusst, dass ich für jeden Schritt den ich tat und für mein Leben verantwortlich war.

Ab und zu hatte ich das Gefühl allein zu sein und dann wieder dieses Gefühl der Geborgenheit. Es war schon eine ganz besondere Erfahrung mit diesen Gefühlen so viel Zeit verbringen zu können. Der Lohn aus dieser Erfahrung war, dass ich die Worte „wie kann man denn nur anderen Menschen gegenüber so sein“, aus meinem Wortschatz streichen werde.Ja, ein jedes Leben hat seine Aufgaben. Gewachsen ist man erst dann, wenn es sich friedlich anfühlt.

Das Gipfelkreuz:

Ich war erleichtert! Der Wind blies mir entgegen und ich befreite die Wegweiser vom Eis, damit ich erkennen konnte, wo es weiter ging.

Ich blieb eine Weile stehen und ließ die Kraft des Windes auf mich wirken. Ich stellte mich in den Wind und schloss meine Augen. Ich spürte richtig, wie die Kraft in mir mit einer enormen Geschwindigkeit in jeden noch so versteckten Winkel meines Körpers strömte. Der verbleibende Rest dieser Energie löste sich durch einen lauten Schrei aus meinen Mund – wow!!!

Der starke Wind riss den Nebel hin und her und öffnete mir ein unglaubliches Bild. Es ging alles so schnell. Vor mir ein Bergsee, Sonnenstrahlen spiegelten sich im Wasser und da waren Schafe. Ich hatte nur einen Gedanken: Highlander! Dann dieses starke Gefühl zu Martin. Ich sah in so deutlich vor mir. Er war auch neben mir und hinter mir. Einfach überall. Mir standen aus lauter Freude die Tränen in den Augen. Ich ging weiter und er war während des ganzen Weges bei mir. Ich konnte es fast nicht glauben, dass es möglich war, einen verstorbenen Menschen so präsent bei mir zu haben.

Als ich über die letzten Hügel der Alm ging, hörte ich hinter mir ein Schaf schreien und so drehte ich mich um. Es stand zwischen zwei Felsen. Der Wind bewegte sein Fell und immer wieder hörte ich dieses Schreien. Ich blieb lange stehen und ein kalter Schauer lief mir über meinen Rücken. Ich schloss meine Augen und da war er wieder: Der Highlander. Er lachte und riss mich mit. Von diesem Moment an kam ich mir vor, als würde ich wie ein heller Stern leuchten. Ich hatte ein Gefühl des Abschieds. Es war so, als ob Martin zu mir sagte: „Auf Wiedersehen!“ Ich atmete tief durch und drehte mich um und ging weiter. Den Rest dieses Tages ging ich mit einem Gefühl der Leichtigkeit in mir.

Meine Schritte waren kraftvoll. Teilweise begann ich zu laufen. In meinem Körper brannte ein Feuer. Dieses erhitzte einen jeden Muskel, bis sie weich und durchlässig waren, bereit um sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen.

Als ich im Tal ankam traf ich zwei ältere Menschen, die auf der anderen Seite der Straße standen. Es war vorhersehbar, dass wir gleich miteinander sprechen würden. Ich grüßte sie und fragte woher sie kommen und warum sie hier sind. Dann erzählten sie mir von ihrem Sohn.Er starb mit 40 Jahren an einem Aterienriss. Einmal im Jahr fuhren sie hier her, weil dies sein Lieblingsplatz war – sie waren traurig.

Ich erzählte ihnen von meiner Tochter Elisabeth und wie wir den Tod ihres Mannes verarbeiten und was ich heute mit Martin für einen Tag erlebte.

Nach 10 min kam ihr Bus und wir mussten unser Gespräch beenden und ich bekam noch ein wunderbares Geschenk. Sie gingen beide schon zum Bus, da kam die Frau noch einmal zurück und sagte, dass es schön war mich getroffen zu haben und dass sie ein sehr gutes Gefühl haben.

Ich dachte mir, dass sich schon allein dafür sich diese ganze Wanderung ausgezahlt hätte – ich war überglücklich.

Ich telefonierte noch mit Brigitte und sagte, dass ich gut angekommen bin. Sie erzählte noch, ob ich weiß, dass heute Martins Geburtstag sei. Ich war fassungslos – was für ein Tag…

Meine Gefühle an diesem Tag:

Da war Kampf.

Da war Mut und volle Konzentration.

Da war Ruhe und Bescheidenheit.


Da war Ungewissheit und Martin. (Ich durfte ein Stück seines Weges mit ihm gehen.)

Was für ein Tag – Danke, danke, danke.

 

 

Tag 7 ("Have a good Journey!")

Nach einem guten Frühstück ging ich um 8 Uhr los ins Tal der Wölfe und Bären. Dies war ein großes Thema hier in diesem Ort. Schon am Vortag im Bus unterhielten sich die Menschen darüber, denn in diesem Jahr sollten so an die 25 Lämmer gerissen worden sein.

Nach meinem Outfit zufolge konnte man erkennen, dass ich ein Wanderer sein musste und so warnte mich eine Frau. Ich sah mich an und sagte zu ihr: „Sieht so ein Schaf aus?“ Wir mussten lachen und aus Angsteinflößenden Worten wurde Spaß bzw. eine rießen ‚Hetz’, wie man bei uns so schön sagen würde! Ich saß da und genoss diese Gaudi.

In meiner Kindeszeit gab es eine Sendung, die hieß der knallrote Autobus. Während der ganzen Fahrt ließ mich das Lied und die Bilder dieser Serie nicht mehr los.

Währenddessen ich ging, durchwanderte der Tag davor meinen Kopf und ich musste immer wieder lachen. Neben mir schlängelte sich ein Bächlein. Immer wieder sprang ich in meinem Übermut darüber, begann zu blödeln und hatte das Gefühl, ein kleiner Junge in Lederhosen zu sein und erinnerte mich an das Lied „Übers Bacherl bin i g’sprungen, übers Wiesel bin i g’rennt, an Juchaza - an mei Dirndl hob i denkt“.

Was für ein toller Start! Diese Lebensenergie die da in meinen Körper fließt, ist wie ein Jungbrunnen. Ja, mein Herz schlägt für die Liebe und für die Leidenschaft. Feuer und Eis trafen sich in meiner Brust, vereinten sich zu Bruder und Schwester brauten gemeinsam den Trank, der mich das Leben so wahrnehmen lässt.Der Himmel war wolkenlos. Ich ging locker entspannt den Weg neben dem Bächlein entlang, lauschte der Musik des Wassers und genoss diesen Tag. Da kam mir der Gedanke, wie es denn für Wölfe sei, wenn sie eine mögliche Beute sahen.

Ich begann zu träumen, da ich Zeit hatte. So konnte ich diesen Traum bis ins Detail durchträumen: Ich sah die Augen der Wölfe, wie sie sich bewegten und ihre Farbe. Ich sah, wie sanft ihre Pfoten die Erde berührten und wie sich dabei ihre Schulterblätter nach oben drückten, sowie das Lächeln in ihren Gesichtern. Ich fühlte den Atem in meinem Rücken. Obwohl es nur ein Traum war, kribbelte es im Bauch.Mein Geist und mein Körper stellten sich auf Kampf ein. Kein Funken von Angst war da zu spüren, die Erde war mein Verbündeter. Die Erde war wie der Heizer einer Dampflok und es wurde Energie in mich hineingeschaufelt.

Mein Körper fühlte sich an wie eine Maschine, die nur so strotzte vor Kraft. In diesem Moment löste sich der Traum auf.Mein Wille war stark – ich war mir meiner Sache sicher auf den Berg zu gehen.

Der Wolf in mir war geboren! Mit Leichtigkeit erreichte ich den Gipfel auf 2500m. Da floss noch jede Menge Lebenskraft in diesen Adern.

„Wow, bin i guat drauf“

Eine kurze Zeit blieb ich auf dem Gipfel stehen und nahm die Entschlossenheit die ich in mir verspürte noch einmal so richtig bewusst war.

Diese Kraft.

Dieser klare Blick.

Dieser Wille.

Mein Geist und Körper legten sich geschmeidig an Mutter Erde.

Es fühlte sich an wie Haut an Haut – zwei Körper, wenn sie sich aus Liebe zu einander nicht mehr lösen können.

Ja, ich liebe das Leben…

 

 

Tag 8 ("Have a good Journey!")

„Male“ war eine kleine Stadt in Italien. Ab hier wurde meine Reise noch etwas spannender. Als ich am Vortag den Berg hinunter ging, viel mir auf, dass auf der einen Seite des Berges viele Bauernhäuser mit Holzschindel gedeckt waren und auf der andern Seite mit Blech. Auf der

einen Seite redeten die Menschen auch untereinander viel deutsch, auf der anderen Seite brauchte ich schon Hände und Füße, um mich verständlich zu machen. Von da an musste ich mir neues Kartenmaterial besorgen.

Ich traf aber auch Menschen, die sich für mich Zeit nahmen.

Mit etwas Italienisch aus dem Büchlein von Ilse, etwas Englisch, ein bisschen Deutsch, und viel Emotionen (wie es sich eben für Italien gehört) tüftelten wir gemeinsam meinen weiteren Weg zum Gardasee.

Die ersten Kilometer führten noch durch die Stadt und über einen Fluss. Dann hieß es laut Kartenmaterial rauf auf den Berg und am Kamm entlang wandern bis zum See. So sollte ich in drei Tagen mein Ziel erreicht haben.

Mein Körper fühlte sich von Kopf bis Fuß gut an. Noch nie in meinen Leben hatte ich mir so viel Zeit für mich selbst genommen. Wie schön war das Gefühl zu spüren, wenn das Innere in einem Selbst wach wird. Leider waren sich nun aber mein Inneres und mein Kopf nicht immer ganz einig. Das Ziel von meinem Kopf war es, das Tagesziel zu erreichen, bevor die Nacht anbrach. Mein inneres Selbst hingegen lebte im Augenblick. Alle Informationen, die auf mich zukamen, leitete mein „Selbst“ an meine Gefühle weiter. So traf das „Gefühl“ in mir Entscheidungen, mit denen mein Kopf nicht immer einverstanden war, denn der Kopf verband diese Entscheidungen sofort mit ihm bekannten Erlebnissen bzw. Erfahrungen. Ich musste immer wieder abwiegen, ob ich mich der Angst hingeben sollte mit dem Risiko, dass dieses oder jenes passieren könnte.

Ich war da um zu lernen.

Für mich war es wichtig, am Grad meines Lebensweges entlang zu gehen. Es würde mir nichts bringen diesen Grad zu überspringen, aber auch nichts, wenn ich gemütlich und bequem im Tal entlang gehe.

Um lernen zu können, war es mir wichtig, am Grad zu balancieren, also die Balance meines Lebensweges zu halten. Es ist wie auf den Bergen: Mal geht es hoch hinauf und dann wieder tief hinunter!

Ich vertraute meinem Gefühl…

Aufstieg: Nach fünf Stunden durch Wälder wurde es hell, eine wunderschöne Alm lag vor mir. Ich genoss die Sonne und den besonderen Duft den der Wind mir vor meine Nase trug.

Als ich bei einem Brunnen vorbeikam und meine Wasserflasche nachfüllen wollte, musste ich feststellen, dass kein Wasser da war.

Ich dachte mir, dass sich schon eine Gelegenheit ergeben würde Wasser zu finden und ging weiter. Nach weiteren drei Stunden sah es so aus, als würde es da oben kein Wasser geben. Weiters kam hinzu, dass teilweise die Hinweistafeln heruntergebrochen waren und ich nicht mehr wusste, ob ich am richtigen Weg war.

Wo war ich nur?

Ich hatte nur noch ein paar Schluck Wasser. Sollte ich nun acht Stunden zurück ohne Wasser gehen oder weiter ins Ungewisse voranschreiten?

Ich war wieder in einer Situation die mir alles abverlangte.

Handeln nach Gefühl oder Verstand?

Beides war wichtig…

Die endgültige Entscheidung war für mich doch noch auf den vor mir liegenden Bergkamm zu gehen und mir einen Überblick zu verschaffen.

Als ich oben angekommen war, erblickte ich in ein kleines Tal, umrundet von vielen Bergen. Trotzdem fand ich kein Zeichen, das mich hoffen hätte lassen – ich war angespannt und ratlos…

Mein Gefühl sagte mir: „Geh’ noch a Stück und geh’ langsam.“

Meine Augen suchten jeden Gipfel nach einem Zeichen ab, das mir Hoffnung gab.

Es war mittlerweile vier Uhr. Ich musste mich wieder einmal entscheiden. Zurückgehen hieß die Nacht im Wald zu verbringen ohne Wasser. Aber was würde passieren, wenn ich weiterging? Ich hatte keinen blassen Schimmer…

Da erblickte ich plötzlich ein Gipfelkreuz – es war wie ein Tropfen auf dem heißen Stein! Ich holte meine Karte heraus. Diese zeigte mir, dass es nicht mehr weit war bis zur nächsten Hütte.

Insgesamt war ich nun elf Stunden unterwegs bis ich den Gipfel erreichen konnte. Knapp darunter war ein Plato. Von hier aus konnte ich eine kleine Hütte erkennen und zwei Menschen.

Junge, Junge… war ich erleichtert!

Es fiel mir ein Stein vom Herzen.

Der Abstieg war steil, sogar so steil, dass ich klettern musste. Zwei italienische Soldaten lagen in der Sonne, lächelten als sie mich sahen und gaben mir Wasser. Sie rieten mir nach ‚Madonna dell Cambilia’ zu gehen. Dieses Ziel sollte ich in drei Stunden erreicht haben.

Ich folgte diesem Rat. Als ich das erste Drittel des Abstieges hinter mir hatte, hörte ich wie ein Hubschrauber auf den Berg landete, um diese Soldaten abzuholen. Kurz darauf zog Nebel auf.

Ich war glücklich, dass ich mich entschieden habe abzubrechen.

An diesem Tag haben sich alle Engel Mühe gegeben mir zu helfen, denn oft hätte es auch daneben gehen können… Ich stand vor so vielen Entscheidungen, wo ich keinen blassen Schimmer hatte, wie das wohl weitergehen könnte.

Aber da war ein Licht, das mich führte – ich kann es nicht anders beschreiben!

Es ist ein Licht, das dir Leben einhaucht, auch wenn du auf der anderen Seite des Flusses gehst.

…Daran glaube ich…

 

 

Tag 9 ("Have a good Journey!")

Lang starrte ich an die Decke, als ich wach wurde. Lächelnd genoss ich dieses Gefühl der Sicherheit. Eine halbe Stunde lag ich einfach so da. Es war still in mir, wie an einem Wintertag, wenn die Schneeflocken in der Nacht vom Himmel fallen. Ich verspürte eine gewisse Müdigkeit und Gelassenheit in mir.

Aber jetzt raus aus den Federn und einen Blick aus dem Fenster wagen:
Die Berge waren in Nebel gehüllt, was für mich soviel hieß, dass ich meine Tour umplanen musste.

Beim Frühstück lernte ich die Frau des Hauses kennen, sie sprach etwas Deutsch und half mir bei der Planung der Tour. Durch die Verständigungsschwierigkeiten die wir hatten, versäumte ich fast den Bus. Ich wollte gerade noch meine Sachen einpacken, da rief sie mir zu: „Der Bus kommt!“ Ich rannte aus dem Haus, um ihn anzuhalten. Mit Sack und Pack unterm Arm lief ich ihm hinterher.

Ich erwischte den Bus noch gerade und auch die Frau war so nett, dem Busfahrer zu sagen, wo er mich aussteigen lassen sollte. Ich konnte mich noch kurz bei der Frau für ihre Mühe bedanken und los ging’s…

Während der Fahrt verstaute ich noch meine sieben Zwetschgen und schon war es wieder zum Aussteigen. In dieser Eile ließ ich sogar meine Stöcke im Bus liegen. Naja, was sollte es. Es kostete mir nur ein Lächeln… Nach zehn Minuten durch ‚Madonna dell Cambilia’ erreichte ich den Einstieg und war glücklich.

Es war bewölkt und durch den Nebel der in den Bergen fest hing hab ich mich entschlossen, eine Etage tiefer meine Wanderung fortzusetzen.

Obwohl ich kurzzeitig schön ins Schleudern kam, fand ich nach ein paar Kilometer meine innere Ruhe und ein Gefühl der Sicherheit, das mich heute durch den Morgen begleitete.

Ich genoss diese herbstlichen Laubwälder und begann so vor mich Hinzudenken:
Ich fragte mich, wie ich zu meiner Arbeit stehe. Ist das was ich mache und wie ich es mache noch das, was ich machen will?

Oft habe ich das Gefühl, dass ich mich zu wenig auf das Pferd einlasse, das ich gerade reite. Und dann kann es vorkommen, dass ich das Pferd überfordere oder unterfordere. Um diese Qualität bei der Ausbildung der Pferde zu bekommen die ich mir vorstelle, muss ich weniger Pferde reiten. Oft versagt meine Stimme beim Unterrichten, weil ich mich immer wiederhole in meinen Worten. Deshalb sollte ich weniger sprechen. Ich möchte den Menschen, die meine Hilfe brauchen sagen, wie ich die Lösung der Aufgabe sehe, mich aber nicht ständig wiederholen. Ich möchte sie beobachten, um immer sprungbereit zu

sein.

Es liegt an mir loszulassen

Das ging einige Stunden so dahin bis ich zu einem Gasthof kam, welches direkt neben einen Wasserfall seine Terrasse hatte. Bei Apfelsaft und Kuchen lächelte ich so vor mich hin und hörte dem Wasser zu.

Einfach schön

Nach einer halben Stunde Pause ging ich dem Bächlein entlang. In den nächsten Stunden verwandelte sich dieses Bächlein zu einem ordentlichen Bach.

Als ich mein Tagesziel erreichte, war es erst vier Uhr am Nachmittag. Da entdeckte ich auf einem Schild „Therme und 5 km“. Ich fühle mich gut und träumte schon von Sauna usw.

Von meinen Traum angefeuert dauerte es nicht lange und hatte diese fünf Kilometer im Nu heruntergespult.

Ich ging direkt hin, erkundigte mich nach einem Zimmer und fragte, ob das hier der Eingang in die Therme sei. Die Auskunft war recht kurz und frisch – frisch war okay, denn es hatte so an die 30 Grad.

Soviel konnte ich dieser Italienischen Auskunft entnehmen, dass diese Therme nur für Kurgäste sei und Zimmer im nächsten Ort zu finden waren.

Na dann Prost…

Daneben war ein Kaffee und ich versuchte dort mein Glück mit dem Zimmer, denn in den Ort zurückgehen wollte ich auch nicht. Da würde ich schon lieber unter eine Brücke gehen, denn es sah nach Regen aus. Der Wirt sprach auch etwas Englisch was mir sehr entgegenkam, und schickte mich zu einer Pension auf einen Berg.

Ich weiß es nicht an was es lag, dass ich dort oben kein Zimmer bekam, aber vielleicht an meinem Outfit. Ich hatte nämlich die Wäsche zum trocknen an meinen Rucksack montiert. Die Frau sagte nur: „Kein Zimmer frei!“ und schickte mich auf die andere Seite des Dorfes. Das ging einige Male so dahin bis mich jeder und jede in diesem Dorf kannte. Natürlich nur diejenigen, die auch im Freien zu tun hatten.

Noch einmal ging ich in dieses Café. Ich sagte mit etwas müder Stimme: „Kein Zimmer.“ Der Wirt sagte nur: „Komm mit!“ Er brachte mich zu einer Bekannten, wo ich übernachten konnte.

Nach einer Dusche ging ich nochmals ins Café, aß ein paar Toast und bedankte mich noch mal.

Als ich so meine Toasts aß, merkte ich, dass am Nachbartisch über mich gesprochen wurde. Ich holte mein Italienisch Büchlein aus meiner Hosentasche und mischte mich ins Gespräch ein und siehe da, da waren Menschen die etwas Deutsch sprachen. Wir hatten an diesen Abend viel zu lachen.

So wie ich in diesen Ort anfangs begrüßt wurde, kam ich mir vor, als ob ich ein Mensch aus einer anderen Welt sei. Aber ab diesem Moment, wo man merkte, dass ich Hilfe brauchte, kam man auf mich zu.

Als ich versuchte, in ihrer Muttersprache mit ihnen zu sprechen, brach das Eis. Ein Lastwagenfahrer wollte mich sogar das letzte Stück m

itnehmen. Und in der Pension wurden mir Brötchen für meine Reise zubereitet – Es war wie in einer Familie.

 

 

Tag 10 ("Have a good Journey!")

Bis ich alles so beisammen hatte, war es neun Uhr. Wie schon gesagt, der Besitzer der Pension richtete mir noch eine Jause und zu meinem Glück hatte er auch noch eine Wanderkarte, wo wir gemeinsam den Weg nachzeichneten.

Es waren so an die 55 Kilometer. Dabei musste ich über zwei Berge die 1500 Höhenmeter hatten.
Es war regnerisch, zum Teil nebelig. Trotzdem war es ein guter Tag wo ich mich mal so richtig ins Zeug legen konnte.

Einen Teil meines Weges musste ich heute mit dem Bus zurücklegen, weil ich durch das Schlechtwetter in den Bergen meinen Weg ändern musste.

Da war wieder diese Kraft und Entschlossenheit in mir zu spüren. Die ersten Kilometer gingen am Radweg entlang und ich konnte ordentlich Tempo machen. Ich begann zwischendurch immer wieder zu laufen. Ich wollte an meine Grenzen gehen. Und war so fokussiert darauf mein Ziel an diesem Tag zu erreichen, dass ich alle Engel, die gerade frei hatten, gebraucht hatte.

Nach 15 Kilometer kam ich an eine Brücke mit einer Abzweigung. Einige solcher Brücken hatte ich schon überquert, aber hier hatte ich das Gefühl, stehen bleiben zu müssen. In diesem Moment kam ein alter Mann über die Brücke. Ich fragte: „Wo geht es hier nach Riva del Garda?“ Er zeigte mit seinem Stock in den Weg hinter mir.

In dieser Tonart ging es weiter, ich verließ mich auf mein Gefühl und vertraute.
Nie kam der Gedanke von Zweifel, da war nur mein Wille.

Geist und Körper hinterfragten nichts. Sie schlossen sich zu einer Einheit zusammen um das Umzusetzen, was ich wollte.

Als ich über die Berge drüber war und aus dem Wald auf eine Straße kam, nahm mich ein Autofahrer mit zu einer Busstadion wo fünf Minuten darauf der Bus kam. Diese Verbindung gab es nur zwei Mal am Tag.

Ich war an diesem Tag so an die 30 Kilometer gegangen.
Es begann stark zu regnen und ich war glücklich.

Während ich so die letzten Kilometer zum ‚Lago di Garda’ mit den Bus fuhr, spürte ich die Freiheit in jeder Zelle meines Körpers. Da fiel mir auf einmal ein Lied ein: „Nornkastl schaun, Luftschlösser baun, und a bissal traman…“

Vor meinem inneren Auge war ein Bild von einem Krug – und er war leer

Ich hatte das Gefühl frei zu sein –
es war wunderschön.

Danke für dieses Zeichen.

Danke für dieses Zeichen.

 



Einen Schritt weiter

Als ich vor 4 Jahren mit unserem Hengst Three Star Dun It bei einer Fiturity gestartet bin, ging ich in den Reitpausen oft mit ihm spazieren. Seine Augen wurden sanfter, seine Atmung ruhiger und ich hatte ein gutes Gefühl. Während dieser Spaziergänge sagte ich zu mir: „Ich möchte in der NRHA 72 reiten können“. Immer wieder sah ich diesen Scor vor meinem inneren Auge. Zu diesem Zeitpunkt habe ich mir ein Zeitlimit gesetzt, das war dieses Turnier. Mein Kopf hat mir gesagt, dass es mit Dun It möglich ist (aber eben nur mein Kopf).

Es gelang mir nicht, ich war nervös und hatte zu tun, dass ich die richtige Pattern reite. Ich war einfach noch nicht reif. Entweder war ich bei mir, oder beim Pferd, oder bei der gestellten Aufgabe. Um eine bessere Leistung zu bringen, musste ich lernen alles zu vereinen, hin zu hören und zu vertrauen. Aber in diesen Moment wusste ich davon noch zu wenig um mein Ziel irgendwann zu erreichen. Ich wusste auch nicht, dass mit diesen Wort irgendwann der Schritt in die richtige Richtung gesetzt war.

Nach und nach lernte ich über die Zeit, es war nicht mehr wichtig wann, es wurde mir immer wichtiger bei jedem Augenblick dabei zu sein und es zu fühlen, wie wir gemeinsam wachsen: Mein Pferd und ich.

Je besser es mir gelingt jeden Winkel von unserem Zuhause zu kennen (Seele, Körper und Geist), desto schneller werden die Schritte in diese Richtung gehen. Wir müssen uns beide gut fühlen und es muss Spaß machen...Mir ist schon klar, wenn man in eine neue Aufgabe hineingeht, dass es immer wieder zwickt und zwackt. Aber je besser es mir gelingt die Aufgaben so zu stellen, dass sie für Dun It lösbar sind, desto mehr vertraut er mir.

Als ich wieder zu Hause war, ging ich an die Arbeit. Ich ging mit Dun It in die Arena und berührte ihn. Als ich das Gefühl hatte, dass er sich bei mir wohl fühlte begannen wir uns gemeinsam zu bewegen. Ich ließ ihn durch die Halle laufen und wendete ihn. Das ganze bekam immer mehr Dynamik und hatten beide Spaß daran.

Als die ganze Power draußen war ließ er mich wissen, dass es genug ist und das respektierte ich. Auch ich war außer Atem. Unsere Blicke trafen sich, er kam zu mir her, stellte sich mit gesenktem Kopf neben mich und blieb eine Weile so neben mir stehen. Das tat gut...

Ich habe in den letzten Jahren viel gelesen, gesehen und probiert. Für mich gibt es kein bestimmtes Muster, wie sich ein Pferd verhält, wenn es sich in einer Herde unterwirft und anschließen will, oder sich freut. Es ist bei jedem Pferd anders – so sehe ich es.

Ich verlasse mich auf mein Gefühl und bin so weit es mir möglich ist auf geistiger Ebene beim Pferd.

Ich will verstehen.

Ich will mich integrieren.

Ich will verstanden werden.

Ich will einen friedlichen Weg.

Durch die gestellten Aufgaben möchte ich wachsen, um ein besserer Mensch zu werden. Ich bin dankbar, dass diese Geschöpfe mich immer näher an sich heranlassen.

Im Gleichgewicht sein ist die Herausforderung (Seele, Geist und Körper)

Unser Trainingsprogramm

·        Körperspannung locker, leicht soll es sich anfühlen.

·        Es muss uns beide Spaß machen.

·        Üben der Bewegungsabläufe, fordern bis in den Grenzbereich. So lange in diesem Bereich drinnen bleiben, bis es sich geschmeidig anfühlt.

·        Je näher ich meinem Pferd bin, desto dünner kann der Grad sein, auf dem wir uns bewegen.

·        Es ist wichtig, sich im richtigen Moment herauszunehmen, gerade dann, wenn ein Erfolgserlebnis zu verbuchen war. Dann kommt Freude auf

und es erhöht die Motivation.

Zeit für die Seele:

Ich spüre es, wenn er Abstand braucht, dann lass mein Programm sein. Genauso spüre ich, wenn er meine Nähe sucht. Er schließt seine Augen,

wenn ich meine Hand auf seine Stirn lege. Diese Energie die ich spüre bringt mich dann zum Lächeln...

Eines Tages erreichte ich diesen Scor mit ihm und gewann damit meine erste Trophäe – es war ein schöner spannender Weg bis hier hin. Das

Schönste daran ist, dass er die Arbeit mehr denn je liebt. Aber noch schöner ist es, wenn er auf mich zu kommt und seine Augen schließt, wenn ich

meine Hand auf seine Stirn lege.




Trainingscenter Wald
Im Dezember mache ich jedes Jahr eine Reitpause, somit habe ich Zeit. Einen Teil dieser Zeit widme ich meiner Familie, Freunden, Reparaturarbeiten, einen großen Teil aber mir selbst.
Es ist heuer etwas Besonderes, ich gehe schmerzfrei in eine Pause - Junge, Junge das tut gut. Ich hatte heuer keine Verletzungen und das alte Zeug, dass ich so mit mir rumschleppte, habe ich mit Turnen und Physiotherapie gut hingebracht. Somit kann ich gleich mit meinem Vorhaben beginnen, meinen Geist und meinen Körper auf Vordermann zu bringen.
Seit Längerem hat sich in mir etwas verändert. Jetzt wurde es mir aber so richtig bewusst. Wenn ich früher meinen Körper trainierte oder ein paar Kilo abnehmen wollte, musste ich mir immer einen Schubs geben und ich dachte mir: „Wieso ist denn das so schwierig?“ Heute weiß ich, dass ich es zu sehr dafür gemacht habe, dass ich einen gut aussehenden Körper habe, so lange ich lebe. Es tut mir schon gut, wenn ich in den Spiegel schaue und ich gefalle mir (ja auch ich bin eitel und achte auf meinen Hüftschwung - muss lachen.) Ich gebe mein Bestes, meinen Körper und Geist in Schwung zu halten, damit er sein Bestes geben kann für das er bestimmt ist.
Seit ich merke, dass es mich glücklich macht zum Wachstum von Mensch und Tier etwas beizutragen, bin ich mir wichtiger geworden. Einiges, für das ich geboren bin, kann ich schon erkennen und Vieles ist schon am Horizont erkennbar. Ich will mich aber nicht zu weit hinauslehnen, denn ich will es fühlen, wenn mein Fuß den Boden berührt. Ich kann es immer mehr genießen, meinen Teil dafür zu leisten, dass sich das Rad des Lebens gleichmäßiger dreht. (Frieden, Freiheit)
Damit ich mich verbessern kann für mehr Respekt, mehr Mitgefühl, Geduld und und und, muss ich einiges in meinem Leben verändern. Alles was ich nicht tragen kann und nicht tragen soll, muss ich loslassen und einiges muss ich reduzieren.
Meine Arbeit: Ich fragte mich, was macht mir wirklich Spaß. Auch wenn die Infrastruktur okay ist, und ich gute Pferde reiten kann, wenn es mir aber keinen Spaß macht, kann ich nicht gut werden und das Letzte aus mir rauskitzeln. Irgendwann würde mir die Kraft ausgehen, dann werde ich in diesen Job nicht mehr gebraucht. Ich muss die Liebe und die Leidenschaft in mir spüren - das Feuer muss brennen.

Was brauche ich materiell wirklich?
Die Arbeit mit Menschen muss auf mehr Vertrauen aufgebaut sein, denn ständig zu kontrollieren kostet zuviel Kraft. Ich gebe Teile meiner Arbeit ab, gebe zu erkennen was für mich wichtig ist, dann kann jeder entscheiden, ob für ihn hier der richtige Platz ist. Um jede Minute ist es schade, wenn man erkennt, dass es nicht der richtige Platz ist.
Aber nun zum Trainingscenter Wald: Es ist alles vorhanden was ich benötige. Ich will, dass es in mir so still wird, dass ich es höre, wenn ein Blatt den Boden berührt. Ich will stärker werden. Wenn ich meine Augen schließe, will ich die Kraft der Erde spüren, wenn sie meinen Körper durchströmt.
Ich knie nieder und riech, wie gut der frisch geschnittene Baum riecht. Sag´ danke, dass er dafür gewachsen ist, um uns zu wärmen. Wenn das Wort "Danke" von Herzen kommt und aufrichtig ist, hat es eine große Wirkung auf mein Wohlbefinden. Ich fühle mich rundum gut, meine Lebensqualität steigt.
Ich will ausbalancierter und leichtfüßiger durchs Leben gehen, alles das kann ich im Wald gut trainieren.
40 Meter Holz sind heuer beim säubern angefallen, das ist ein LKW-Zug voll. Es ist händisch aus dem Wald zu ziehen. Das einzige Werkzeug, das mir dabei behilflich ist, nennt sich Sabbel, man schlägt es ins Holz, es erleichtert das ziehen.
Manche Stämme sind so schwer, dass ich mich voll ins Zeug legen muss. Da kann es schon passieren, dass das Sabbel ausläst, wenn man nicht richtig steht. Da hebst du ab und fliegst rückwärts ins Ungewisse, was mir auch manchmal passiert, weil ich zu ungestüm bin.
Wenn es passiert, sag ich mir immer in der Flugphase: „Entspanne dich, der Schmerz beim Aufprall ist längst nicht so groß, wenn die Muskulatur locker ist.“ Es passiert immer seltener, aber manchmal kommt es doch vor, dass ich mit dem Pferd oder vom Pferd stürze und dann ist es gut, wenn man dabei schon etwas gelassener ist.
Ich versuche so gut es geht, mich nicht von dem was ich tue ablenken zu lassen, auch nicht von den Schmerzen, wenn ich stürze. Habe ich mich wirklich verletzt, muss ich meine Arbeit beenden.

Ich will nicht härter werden, aber wenn ich lerne, mehr bei mir zu bleiben wenn ich Schmerzen verspüre. Dann kann ich vielleicht manches verhindern, wenn ich mit einem Pferd in eine etwas schwierigere Situation komme. Ich gehe an meine Grenzen, das heißt, wenn mein Körper oder mein Kopf mir sagt, dass ich nicht mehr will, mache ich trotzdem weiter. Ich will wissen, wann der Punkt kommt, wo ich zornig werde, damit ich mich öfter zurückziehe, bevor ich zur Belastung werde.
Als die Temperaturen auf 10 bis 15 Grad minus fielen, der Boden und die Baumstämme froren, erschwerten sich nochmals die Bedingungen und ich konnte gut trainieren und herausfinden, wie gut es um meine Balance bestellt ist.
Beim Aufheben der Baumstämme gehe ich in die Knie, spannte Bauch und Po und Oberschenkel an. Es macht mir riesigen Spaß. Ich werde versuchen, (nein ich werde es machen, denn wenn ich sage, ich werde es versuchen, ist zu wenig Willenskraft - so zu sagen Pansch - vorhanden.) Das ich bei meiner Täglichen Arbeit rund ums Pferd für eine gewisse Zeit die Aufmerksamkeit auf die eine oder andere Region des Körpers lenke, werde ich damit effektiver.
Immer mehr komme ich dort hin, dass meine Hand deshalb berührt, weil sie fühlen will. In meinen Herzen bin ich ein Kind, ich bin neugierig. Immer wieder muss ich berühren, weil es sich so schön anfühlt. Meine Augen schauen, weil sie nicht genug davon kriegen können zu sehen, wie eine Blume aufblüht, wie sich ein Gesicht verändert, wenn jemand lacht oder eine Träne auf Reisen geht.
Es ist so schön alles dafür zu geben, für das man geboren ist.
Zeit und schlechtes Gewissen rücken immer weiter in die Ferne - ich berühre und werde berührt.
Die Qualität des Lebens dringt immer tiefer in mich und nimmt einen festen Platz in mir ein.
Ich bekomme und werde alles wieder geben.
Danke.



Die Aufgaben genießen
Meistens schreibe ich über eine Aufgabe, wenn sie für mich mit Erfolg abgeschlossen ist. Seit es mir aber gelingt (das ist jetzt immer öfter der Fall) mehr im Jetzt zu sein, kann ich viel mehr lernen. Auch wenn eine Aufgabe noch nicht abgeschlossen ist geht es mir gut.
Ich habe heuer unserem Hengst einiges zugemutet. Er hat mir im Training immer wieder gezeigt, dass er alle Manöver, die in einer Reining verlangt werden, beherrscht. In der Show war er in jedem Manöver schon im Plusbereich. Ich hatte es aber noch nicht geschafft, einen ganzen Go zu gehen so wie ich es mir vorstelle und so wie er es mir im Training immer wieder zeigt. Obwohl diese Aufgabe, beständig auf einen gewissen Level zu laufen, noch nicht abgeschlossen ist, lasse ich die nächste Herausforderung schon einfließen.
Er hat heuer im Frühjahr gedeckt und gleichzeitig sind wir auf Shows gefahren, es waren auch Stuten von unserem Stall dabei, hin und wieder auch eine, die er gedeckt hatte. Wenn wir uns gemeinsam in der Abreitehalle aufhielten, merkte ich, wie er Spannung aufbaute. Nach einiger Zeit entspannte er sich aber wieder, er wurde gelassener.
Wenn ich aber von der Abreitehalle in die Showarena ging, zeigte er mir, dass er damit nicht glücklich ist. Er versuchte gegen meine Hilfen zu gehen, somit ist ein jeder Ritt ein improvisierter. Nach jeder Show sage ich mir: "Geduld Erich, gib ihm und dir Zeit, habe Vertrauen, entspanne dich, lasse dich mit Haut und Haar ein, sei im Jetzt." Ich weiß, dass das Ziel, von dem ich träume und das ich vor meinem inneren Auge sehe, aus lauter kleinen Steinchen besteht und ein jedes für sich rund werden muss. Ich bringe meine ganze Liebe und Leidenschaft mit ein.
Und ich fühle.
Ich wiederhole immer wieder dieselben Schritte, einmal langsamer dann wieder schneller und genieße sie. Dann setze ich mich hin, schließe meine Augen, sehe mich und mein Pferd und lasse diesen Film immer wieder runter laufen. Dabei sage ich mir, sei beständig, sei absehbar, gib im Sicherheit.
Dann klopfen auf einmal die Worte Ruhe und Rhythmus bei mir an und auf einmal ist es so, als würde ich mich von einer Umklammerung befreien, meine Muskeln entspannen sich. Mein Blickwinkel wird weiter, dadurch gewinne ich Zeit. Es fühlt sich so an als würde sich der Zeitrahmen dieses Augenblickes vergrößern. Diese Schritte, die ich anfangs nicht fassen konnte, weil sie schon wieder weg waren bevor sie für mich erkennbar waren, werden immer klarer. Es ist so als würde ich mit meinem Pferd von einem schmalen Weg in ein breites Tal reiten. Dieser kurze Augenblick fühlt sich an wie eine halbe Ewigkeit. Ein friedliches Gefühl macht sich in mir breit und ich muss lächeln. Danke.
 

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Friede, Freiheit, Liebe, Tod!
Diese vier Worte haben mich die letzten Jahre fest im Griff. Das sind zurzeit wohl meine Aufgaben, wo ich am meisten zu lernen habe, ich werde mich ihnen stellen. Ich glaube ja daran, dass es für eine jede Aufgabe eine Lösung gibt, und ich glaube auch daran, dass eines ohne  den anderen nicht sein kann.

Der Tod begleitet Freunde, Familie und mich schon das ganze Jahr. Im Frühjahr war es unser Hund Daisy, sie war 14 Jahre und hatte, so glaube ich, ein gutes Hundeleben hier bei uns. Was ich an ihr so toll fand, war, dass ihr Naturell so war, wie wir uns einen Hund vorgestellt haben. Sie hatte sich genau das von uns genommen, was wir leicht geben konnten und umgekehrt war es nicht anders. Dann war es unser Pferd Kim, er wahr 23 Jahre. Ich hatte ihn in meinen Händen als er zur Welt kam, und in meinen Händen als wir ihn erlösten. Sie sind mir beide ans Herz gewachsen. In den letzen Jahren ihres Daseins hatte ich sie immer im Auge. Da man ein Tier erlösen kann, wollte ich weder zu früh noch zu spät diese Entscheidung  treffen.
Mein Großvater und mein Onkel starben im Alter. Mein Großvater war geistig verwirrt und lag schon längere Zeit im Bett, mein Onkel hat zu mir öfter gesagt, dass er sein Leben gelebt hat und jetzt noch so lange sein Leben genießt, solange es ihm vergönnt ist.

Und Martin, er war der Mann meiner Tochter, 30 Jahre, wie soll man denn da beschreiben, was in einem vorgeht. Ich liebe meine Tochter, am Nachmittag hatte er bei einer Untersuchung einen Herzstillstand, um 2 Uhr Nachts ist er verstorben. Sein Bruder hat mich angerufen, ich konnte es nicht glauben und sagte zu Elisabeth noch nichts. Wir hielten uns die ganze Nacht, irgendwann schlief sie ein. Um 5 Uhr früh rief ich nochmals ins AKH an, eine Schwester sagte zu mir „ich dürfte ihnen diese Nachricht nicht sagen, aber Martin ist um 2 Uhr verstorben“. Auch ihr wollte ich keinen Glauben schenken weil sie sagte, sie dürfte normalerweise keine Auskunft geben. Ich lag da, Elisabeth daneben, ich schaute sie an und wartete bis sie die Augen öffnete. Dem Menschen, der mir so nahe steht, diese Nachricht zu überbringen. Ich bebte, im gleichen Augenblick durchströmte mich eine immense Kraft und ich war dankbar, dass ich es sein durfte, der ihr diese Nachricht überbringen muss.
Ich war froh unser Kind in diesen Schmerz in meinen Armen zu halten.
Oft kam die Frage wie geht es euch.
Eine Frau verliert ihren Mann, einen Mutter ihren Sohn, ein Kind seinen Vater. Viele Menschen einen Menschen, den sie schätzten und liebten, wie er war. Ein jeder von ihnen wird einen Weg finden, der sie wieder lachen läst. Bei Martins Verabschiedung sprach ich noch ein paar Worte. Sie lauteten „Ich hatte einmal in einen Buch gelesen: Die wahre Liebe ist, wenn man einen Menschen auf seinem Lebensweg unterstützt, selbst wenn er in eine andere Richtung geht. Und ich habe einmal zu einen Menschen gesagt, so lange ich lebe, will ich leben, ich will lachen, tanzen, singen und weinen und die Liebe bis in die Zehenspitzen spüren."

Vieles war von diesem Tag an anders. Einen Teil meiner Zeit verbringe ich von nun an bei meiner Tochter, ich will einfach da sein, solange sie mich braucht. Ich weiß sie ist eine starke Frau, ich sagte zu ihr, bitte lass uns langsamer durchs Leben gehen, ich will es mehr spüren. Langsam ist wohl ein Fremdwort, nach 2 Wochen starteten wir schon auf einem Turnier. Die Emotionen gingen rauf und runter. Bei jedem Bewerb saß ich an der Bande und war sprungbereit, ich wusste ja nicht, was mit ihr geschehen würde, wenn ihre Kraft nachließ. Ich versuchte auch nahe bei mir zu sein, damit ich es wahrnehme, wenn es beginnen würden, mir den Boden unter den Füßen wegzureißen.

Da waren Menschen um mich, die zwar tiefe Trauer empfanden, aber wenn es um ihre Bedürfnisse ging, einfach nicht erkannten, dass auch ich mich im Grenzbereich bewege. Oft kommt mir vor, ich halte mich mit meinen Fingern an einem Felsvorsprung fest und suche mit meiner anderen Hand Halt und kurz bevor ich falle, kommen diese Worte.
"Vertraue dir." " Danke du halbes ich."
 

Vertrauen (27.2.2009)
Mit 20 Jahren habe ich begonnen Pferde für das auszubilden, für das der Mensch sie vorgesehen hat. Obwohl ich noch keine Erfahrung hatte, war ich mir sicher bei dem was ich tat. Ich hatte viel darüber gelesen, musste aber erkennen, dass keine Situation so war wie es beschrieben ist.
Es blieb natürlich nicht aus, dass ich im Sand landete, aber außer ein paar Abschürfungen und Prellungen ist nie etwas passiert. Einmal rannte ein Pferd mit mir durch die Wand vom Rundcoral. Ein anderes Mal buckelte eines so wild und jedes mal wenn es mit der Hinterhand nach oben kam. schlug es aus und zerlegte mir einen Teil meines Corals.
Das erste mal wo ich geknickt war, war als sich beim Rückwärts richten ein Pferd auf den Schweif trat und es sich selbst die Hinterhand nach unten zog. Es überschlug uns, ich konnte mich gerade so lösen, dass sich das Sattelhorn nicht in meinen Bauch bohrte. Es war nichts, worüber ich lachen konnte, ich verlor das Vertrauen in das was ich tat, und es dauerte seine Zeit bis ich es wieder fand. Ich fragte mich natürlich, ob ich mir das nötige Wissen aneignen konnte ohne ständig in Lebensgefahr zu sein. Aber die Zeit heilt Wunden. Und bei den Pferden wurden die Schweife gekürzt.

Meinen schwersten Unfall hatte ich vor 6 Jahren, aber dieses Mal war es so, dass ich spürte, dass das was ich tat nicht gut gehen konnte. Alles was ich noch wusste war, dass sich das Pferd von einem anderen Pferd, das am Zirkel galoppierte, angegriffen gefühlt hat. Es buckelte weg, ich konnte mich nicht halten und landete mit dem Kopf so am Boden, dass ich mein Bewusstsein verlor. Am nächsten Tag fühlte ich mich aber gut und ich wurde aus der Klinik entlassen. Erst nach ein paar Tagen stellte sich heraus, dass ich mit meiner Sprache Probleme hatte. Ich konnte manche Wörter nur aussprechen, wenn ich sie mir Bildhaft vorstellte. Das dauerte etwa ein Jahr an. Wenn eine Person mit mir sprach und eine zweite wollte auch seinen Kommentar abgeben während die eine sprach, hatte ich das Gefühl mein Kopf explodiert. Es war keine Kraft in mir. Immer wieder wurde mir gesagt ich soll mich zusammen reißen. Und sag doch was dir fehlt! Ich wusste es nicht.
 „Geduld“ - viele glaubten, dass es ausreicht ein paar Tage zu warten um mir dann wieder dieselben Fragen zu stellen. Geduld ist eben nicht auf eine Zeit begrenzt, es dauert so lange es eben dauert. Ich wusste, dass ich niemand dafür einen Vorwurf machen konnte, denn wenn sie dies wussten, würden sie nicht immer dieselben Fragen stellen. Um Kraft zu sparen musste ich mir angewöhnen dieselben Fragen nicht immer zu beantworten. Ich teilte das denjenigen Menschen mit.
Auch das war nur etwas für ein paar Tage, jetzt brauchte ich Disziplin. Damit ich irgendwann auch wieder für die Menschen da sein konnt, die mich brauchten, durfte ich darauf nicht eingehen, ganz egal wie sehr sie bohrten.
Wenn jemand mir wieder dieselben fragen stellte und ich sagte ich habe noch keine Antwort darauf, und er oder sie weiter bohrten, musste ich auch acht geben meine Emotionen unter Kontrolle zu haben. Wenn es mir nicht gelang, wurde ganz einfach meine Stimme von selber leise. In dieser Zeit konnte ich sehr vieles über uns Menschen lernen - dafür bin ich dankbar.
Nach einiger Zeit begann ich wieder meiner Arbeit nachzugehen (ich schreibe deswegen "nach einiger Zeit", weil ich es nicht mehr weiß, wie lange es dauerte. Es ist mir immer wichtig gewesen darauf zu hören, wann mir mein Körper das Signal dazu gab.)

Als ich das erste Mal den Fuß wieder über ein Pferd legte, dass zum Anreiten war, hatte ich Angst. Die Folge daraus war, dass meine Arbeit eine Zitterpartie war. Pferde sind ja Fluchttiere und wenn sie merken, dass man Angst hat und sie nicht gerade coole Typen sind. kann sein, dass ich wieder eine ähnliche Situation erlebe, die ich nicht unbedingt wieder wollte.
Mir war klar, wollte ich wieder mein Vertrauen zurückerlangen, galt es alles zu hinterfragen. Ich wollte so vorgehen: Bei jeder Frage, die ich mir stelle, will ich ab nun horchen was mein Bauch dazu sagt. Die Themen waren das Anreiten von Jungpferden, das Wissen, dass ich mich schwer verletzen konnte oder mein Leben dabei verlieren könnte und vieles mehr. Viele Fragen taten sich erst während meiner Arbeit auf und ich wusste, es kann lange dauern wieder so auf einem Pferd zu sitzen, wie es für das Pferd und mich angenehm ist. Ich musste lernen mich immer mehr in die Pferde hineinzuversetzen. Je besser mir das gelingt, umso besser ist das für das Pferd und mich.
Es musste sich das Gefühl so entwickeln, als hätte ich alle Zeit der Welt bei dem was ich gerade tue. Oft kam ich mir wie ein Gejagter meiner eigenen Aufgaben vor. Ich musste lernen, mich dieser Aufgabe, die ich gerade machte, voll und ganz zu widmen und nicht schon bei der nächsten zu sein, solange die eine nicht für mich bestmöglich erledigt ist. Ein Ziel war es, den Aufgaben ruhig und gelassen gegenüberzustehen, nicht nur meiner eigenen sondern auch dort, wo meine Hilfe benötigt wird. Ich will die Welt mit ihrer ganzen Vielfalt wahrnehmen. Ich will lachen, wenn mir zum Lachen ist und weinen wenn, mir zum Weinen ist. Um das zu können, musste ich mich erst selbst besser kennenlernen. Ich musste herausfinden was mein Naturell ist und zu mir selbst auch ehrlich sein!
Um mich beim Reiten besser kennen zu lernen, ließ ich mich beobachten. Es musste sich alles locker und leicht anfühlen, auch das braucht seine Zeit. Sechs Jahre sollte es dauern, bis ich das erste Mal schmerzfrei war. Es war so ein tolles Gefühl, dass ich es nicht glauben konnte. Ich war es gewohnt geworden, mit meinen Körber zu improvisieren. Am Anfang konnte ich es nicht glauben und ich versuchte auf meine Schmerzfreiheit achtzugeben aber dieses Achtgeben sollte so gut es mir gelang so verlaufen. Ich wollte es schaffen trotzdem locker zu bleiben, denn ein Großteil meiner Schmerzen kam davon, dass ich beim Achtgeben viele Muskelpartien immer in Spannung hielt, um bereit zu sein, wenn es mal wieder kracht. Die Folge war eine ständige Überbelastung, aber Vertrauen heißt locker lassen. Immer wieder musste ich mir auch sagen - eins nach dem anderen Erich. Der nächste Schritt war, mich in der Bewegung selbst zu beobachten und während des Bewegungsablaufes, wenn es zu zwicken begann, die Spannung dieses Muskels zu lösen oder die Position leicht zu verändern. Es war für mich schon wichtig, nach einem Weg zu suchen, um das zu machen, für das was man sich berufen fühlt. Selbst wenn man dafür nicht ganz fit ist, es ist das ein geiles Gefühl, wenn man schmerzfrei ist. Wenn mich früher mal jemand etwas über Vertrauen gefragt hätte, hätte ich wahrscheinlich gesagt, mach das für das was du geboren bist der Rest findet sich von selbst ganz einfach. Als ich anfing mir das Vertrauen zu erarbeiten, merkte ich dass es wie überall im Leben ist, es ist ein Kreislauf. Das hieß für mich alle Bereiche meines Lebens zu hinterfragen, natürlich auch die, die nicht unmittelbar mit dem Reiten zu tun hatten. Ich war dankbar für diese Arbeit und dafür, dass sie mir zugetragen wurde, denn dadurch konnte ich weiter reifen und mein Mitgefühl für die Wege anderer Menschen wachsen. Ich lernte mehr Geduld zu haben, jedem seine Zeit zu geben, wie viel er auch immer braucht, auch wenn es mir nicht immer gelingt. Es ist mir klar geworden, dass ich meine Aufmerksamkeit darauf richten soll wo ich gebraucht werde. Wenn ich mich dann mit meiner ganzen Leidenschaft und Kraft einbringen kann und einen Beitrag dazu leisten kann, um für jemanden Vieles verständlicher zu machen, wird bin ich zufrieden. Und es ist auch hier ein Kreislauf - du merkst es tut dir gut, wenn du Gutes tun kannst, somit suchst du auch immer wieder einen Weg, Gutes zu tun. Auch hier war es für mich wichtig, den Bogen nicht zu überspannen, ich musste mir immer wieder sagen, schau auf deine Energie, tanke bevor es zu spät ist. Ich stellte mein Leben etwas um, ich stand Morgens früher auf, bei mir sind es an die zwei Stunden was ich zurzeit brauchte, um meinen Körper und Geist für den jeweiligen Tag vorzubereiten.
Nach einiger Zeit stellte sich heraus, dass ich weniger Schlaf brauchte und auch tagsüber nicht so schnell ermüdete. Ich konnte mich geistig und körperlich mehr belasten, ich musste nur auf meinen Energiehaushalt achtgeben. Ich wusste auch, dass ich mir keinen Stress zu machen brauchte es zu übersehen, wenn ich den Bogen überspanne. Wir haben ja einige Signale in uns, die uns darauf hinweisen. Eines davon ist Zorn. Heute muss ich oft über mich selbst lachen, wenn ich zornig werde, weil ich weiß, dass es sicher nicht die Lösung ist. Ich änderte Vieles in meinen Leben, um mein verlorenes Vertrauen wieder zu finden. Ich musste es auch wenn ich noch diesen Beruf machen wollte. Aber es änderte sich noch Vieles mehr. Ich hatte ja schon länger aufgehört mit den Rauchen, nur alle heiligen Zeiten mal eine wenn die Runde past. Ich trinke auch immer weniger Alkohol und habe trotzdem meinen Spaß. Auch meine Ernährung hat sich geändert, ich gehe meinen Gelüsten nach und esse auch wenn mir danach ist, es ist aber meist nicht mehr so viel. Wenn man nicht mehr das Gefühl hat ein Getriebener zu sein, merkt man wenn man Energie braucht. Wird etwas gegessen, merkt man wenn es reicht. Ja das Leben ist ganz einfach, wenn ich Ordnung in meinem Leben halte. Ich übe mich auch darin es zu schaffen, eine getane Arbeit oder ein geführtes Gespräch für mich ganz abzuschließen bevor ich mich in das nächste begebe. Das ist sehr schwierig, weil es ja nicht immer möglich ist, weil man bei einigen Dingen im Leben spontan sein muss. Wie z.B. bei Müttern mit kleinen Kindern. Aber bei vielen ist es möglich. Es fühlt sich gut an auf einmal einen Freiraum vorzufinden, obwohl man mehr leistet. Jetzt war es auch an der Zeit, meinem Wunsch nach einer Zweitageswanderung nachzukommen, von der ich schon mehrere Jahre sprach und es sollte auch gleichzeitig ein Test sein, wie stark ich körperlich und mental bin. Ich wollte überall an meine Grenzen gehen, was mir auch voll gelang. Und ich hatte vorher schon gespürt, dass es mir immer besser mit meinem Vertrauen geht. Ich wusste aber nicht, dass ich mich schon so belasten konnte. Ich kann nur sagen ich bin überglücklich. „ Danke“.
Um zu wissen was es heißt mir selbst zu vertrauen, musste ich das Vertrauen erst verlieren.

• Der Schmerz (2.2.2009)

Lange hat er an meiner Tür gestanden und gelutet, entweder habe ich es nicht gehört oder nicht hören wollen. Lange hat mein Kopf gekämpft um seinen Willen durchzusetzen, und meinen Geist und Körper dinge zugemutet, die nicht seinem Naturell entsprechen.
Heute behandle ich ihn wie einen Gast, denn er hilft mir gesund zu bleiben. Es wird nicht ausbleiben, dass ich wieder mal etwas übersehe oder überhöre.
Aber ich habe gelernt!
Jeden Tag nehme ich mir Zeit für mich, und wünsche meinen Körper und meiner Seele einen erfüllten Tag.
( Z.B .Guten morgen mein Herz, während dieser Ansprache lasse ich Licht hineinfließen, und so mach ich es mit allem was ich an mir kenne.)
Ich bitte darum mir es mitzuteilen, wenn ich etwas beachten soll. Je besser es mir geht, desto leichter wird es, für mich und für diejenigen da zu sein, die mich brauchen.
Ich führe das Gespräch mit dem Schmerz so, als würde ich mich mit einem geliebten Menschen unterhalten. Ich mache ihm die Tür auf, bitte ihn herein, wir machen es uns gemütlich bei Kaffee und Kuchen, lassen die Sonne auf uns scheinen, ein lauer Wind trägt uns den Duft der Blumen und Kräutern in die Nase - alles was gut tut soll dabei sein.
Dann bitte ich ihn zu erzählen, was für Aufgaben (Herausforderungen) er für mich mitgebracht hat Es kann viel Zeit vergehen bis er sein Schweigen bricht und sich so zu erkennen gibt, dass ich verstehe und weiß was zu tun ist. Wenn es soweit ist, versuche ich ihm gut zuzuhören. Je besser es mir gelingt, desto mehr Information werde ich bekommen. Ich bedanke mich bei ihm und stelle mich der Herausforderung.
Irgendwann wird er vielleicht das letzte Mal vor der Tür stehen und ich werde in diesen Leben die Herausforderung nicht mehr annehmen können. Oder ich entschlafe sanft mit einem Lächeln im Gesicht.


• Auf einem Tunier fragte ich Lilly, ob sie mich meine Reining prüft.
Die Reining
2 große Zirkel nach links, ein kleiner langsamer Stopp am Mittelpunkt der Arena. 4 Spinn nach links. 2 große Zirkel nach rechts usw.
So lerne ich eine Reining.
Jetzt lasse ich die Aufgabe, die dem Pferd und mir abverlangt wird, leben. In jedem Augenblick muss mein ganzes Herz meine ganze Liebe sein, um jeden Schritt wahrzunehmen. Je näher es mir gelingt im Jetzt zu sein, desto mehr kann ich lernen (Mitgefühl und Verständnis für jede Aufgabe, die mir gerade präsentiert wird zu haben.
Ich stelle mir vor, dass ich sie mit Dun IT reite. Es ist bei jedem Pferd anders, darum gehe ich sie mit jedem Pferd extra durch. Wenn ich schreibe: ich gebe mit der Hand nach, oder lege mein Bein an, und sich jemand fragt, was meine ich mit nachgeben oder anlegen, kann ich nur sagen, was ich hier vermitteln will, ist nicht die genau Hilfengebung, sondern wie ich für mich die höchste Konzentration erlange, um wahrzunehmen, was jetzt stattfindet.
Ich schließe meine Augen, stelle mir vor, dass ich auf meinen Pferd sitze, wir stehen am Eingang von der Arena, ich spüre seinem Atem.
Ich höre meine Startnummer, gebe meine Hand ein wenig nach vor, er fängt langsam an zu gehen. Ein jeder Schritt fühlt sich so an als würde er mich fragen ob er ihn gehen darf. Wir nähern uns ein bisschen dem Mittelpunkt, ich drücke meine Beine in die Steigbügel und er nimmt sofort das Tempo raus, ja er ist "voll da“.
Am Mittelpunk.
Ich gebe mit der Hand nach, setz´ mich ein, er bleibt stehen und wartet.
Meine Beine schließen sich, das Pferd senkt seinen Kopf und richtet seine Ohren in meine Richtung. Meine rechte Hand bewegt sich langsam nach vor, mein linker Zügel berührt den Hals, das rechte Bein gibt etwas Druck, er stellt die Kruppe ein kleines bisschen nach links. 4-5 Schritte im Schritt.
Eine leichte Stimmhilfe und er geht in Galopp über. Zwei schnelle Zirkel nach links.
Mein Gewicht und meine Hand gehen langsam nach vor, meine Beine schließen sich etwas, ich beginne mit meiner Zunge zu schnalzen, er nimmt Tempo auf. Ich spüre den Wind in meinem Gesicht, er läuft genau zwischen meinen Schenkeln und meinen Zügeln, die locker sind. Ein kleiner langsamer Zirkel. 3 m vor dem Mittelpunkt gebe ich etwas Druck in die Steigbügel, nehme mein Gewicht zurück und senke meine Hand. Ja, ich spüre, wie die Hinterhand sich unter mich schiebt, das ist ein gutes Gefühl.
Ganz leicht läuft er den Zirkel - ich sage "Whoa", er gibt die Füße unter sich und bleibt am Mittelpunkt stehen. Wir bleiben stehen, bis ich merke dass er ruhig ist, er ist voll bei mir. 4 Spinn links.
Ich setze mich in den Sattel, mein linker Fuß bewegt sich etwas vom Pferd weg, ich lege den rechten Zügel an den Hals. Er fängt an zu drehen, er hat den Rhythmus gefunden. Ich schnalze mit der Zunge und er wird schneller. Jetzt muss ich in Position bleiben und darf ihn ja nicht stören. Zwei schritte noch. "Whoa" - ich lasse den Zügel stehen und er bleibt genau am Punkt. Ganz leicht schwingt er nach, die Atmung ist stark spürbar, ich gebe ihm etwas Zeit. 2 schnelle Zirkel nach rechts. Meine Hand geht nach vor, mein linkes Bein am Pferd ganz leichte Stimmhilfe, er geht in den Galopp über.
Mein Blick gehr einen viertel Zirkel nach vor, Hand und Körper folgen ihm, meine Beine schließen sich. Etwas Stimme und er nimmt Tempo auf, genau so schnell, dass er aufrecht bleibt. Den Mittelpunkt einsitzen, er nimmt Tempo raus, der Zügel hängt durch. Ein kleiner langsamer Zirkel und "Whoa".
4 Spinn rechts. Ich lass ihn auf dieser Seite einen Schritt nach vor gehen und setze mich ein. Das rechte Bein weg, linker Zügel, Rhythmus, Tempo 1 2 3 4, "Whoa", relax.
Fliegender Wechsel, wir beginnen im Links-Galopp. Wieder stelle ich ihn mit dem Bein nach links und gebe meine Hand nach vor, lasse ihn ein paar Schritte in der Stellung gehen, galoppiere an und nehme Tempo auf. 5 - 6 m vor dem Mittelpunkt - Vorbereitung auf den Wechsel und den rechten Zirkel. Rechtes Bein und rechten Zügel anlegen, er hebt die Schulter genau am Mittelpunkt. Ich gebe Bein und Zügel so stark weg, dass er noch aufrecht bleibt, eine leichte Stimmhilfe und er wechselt, bleibt im Tempo und bleibt aufrecht. Es fühlt sich gut an. Er läuft genau auf den Punkt zu, auf den ich mein Auge richte.
Vorbereitung zum Wechsel auf die linke Seite, Gewicht leicht zurück, linkes Bein und linker Zügel. Er hebt die Schulter, jetzt gebe ich frei und er wechselt. Und schon nehme ich das Gewicht zurück und gebe den Zügel nach, er wird langsamer - ein kurzes Durchschnaufen. Der Run-Down - wir biegen ein, die rechte Bande ist so zirka 7 m von uns weg, ich gebe die Füße nach vor und belaste beide Steigbügel. Ich richte mich auf und gebe meine Zügelhand ganz vorsichtig nach. Ich beginne mit der Zunge zu schnalzen und er nimmt Tempo auf. Er wird immer schneller bis über den Mittelmarker hinaus. Die Schulter ist aufgerichtet, er fühlt sich locker an, ich setze mich ein und gebe mit dem Zügel nach, sage "Whoa" und spüre, wie er sich rund macht, wie sich seine Hinterfüße unter seinen Körber schieben und 7 - 8 m sliden (geil).
Er bleibt in der Spannung stehen! Roll Back nach rechts, ich setze mich ein rechten Steigbügel von ihm weg und gebe die Zügelhand nach vor. Ich lege den linken Zügel an den Hals und mit dem linken Bein gebe ich Druck. Er wendet wie geschmiert genau in die Spur vom Stopp.
Langsam galoppieren wir zurück und er entspannt sich.
Run-Down auf der linken Seite, und wieder die Füße nach vor. Ich richte mich auf und gebe mit meiner Hand nach. Stimmhilfe - er nimmt Tempo auf und steigert es genau soweit, wie ich es ihm sage. Das tut gut, es fühlt sich wieder gut an. Schulter, Kopf, Hals, er ist locker, ich bin in Position und "Whoa". Ich fühle seinen Rücken, seine Beine, das ist ein Gefühl, als würden wir mit dem Boden verschmelzen. Roll Back nach links, er ist in Spannung und ich setze mich ein linken Fuß leicht weg. Rechte Hand etwas nach vor, den Zügel an den rechten Hals, mit dem rechten Bein gebe ich etwas Druck und er wendet wieder auf die Linie.
Im langsamen Galopp geht es zurück. Durchschnaufen - der letzte Stopp. Schön Zeit lassen, ich nehme alles um mich herum war. Aufschauen - Füße nach vor, mit der Hand nachgeben und Tempo aufnehmen. Es fühlt sich gut an und "Whoa" - ich spüre ihn und den Boden unter mir. Langsam richtet er sich auf und ich gebe etwas Druck in beide Steigbügel, gib mit meiner Hand nach und er gibt seine Füße unter sich und geht leichtfüßig 5 - 6 m rückwärts, "Whoa". Wir Atmen durch, ich berühre ihn mit meiner Hand, schließe meine Augen und sag danke.

Am nächsten Tag fragte mich Lilly: „Du Erich, erzählst du mir heute wieder, was für eine Reining du reitest?“
 

Avalon...
... ein edles Geschöpf von einem Pferd. Ich habe die Ehre ihn dafür ausbilden zu dürfen, für das ihn der Mensch vorgesehen hat. Er ist ein 4-jähriger Friesen-Hengst, der jetzt männlich wird.
Seine Austrahlung ist sanft,
sein Auftreten bestimmt.
Wenn ich zu ihm in den Coral gehe, er sich mir zuwendet, mich mit seiner tiefen zarten Stimme begrüßt, mir mit seiner Aufrichtung entgegen kommt und vor mir so stehen bleibt, dass seine Stirn fast die meine berührt, mit seinen schwarzen Augen in die meinen blickt, fühlt es sich so an, als ob er meine Gedanken liest. Wenn ich in seine Augen blicke, glaube ich ihn zu verstehen.
Unser Blickkontakt bleibt so lange aufrecht, bis er so entspannt ist, wie ich es bin. Er fragt mich jedes mal, ob es mein Ernst ist, wenn ich zu ihm sage: „Los komm! Wir machen jetzt unseren Job“. Er gibt mir immer noch das Gefühl, dass er mit mir geht, aber um in seine Box zu gehen, um sein Kraftfutter zu fressen.
Er ist bei seiner Arbeit oft noch unsicher, wenn ich seinen Willen nicht zulasse, den er durchsetzen will. Ich habe ein gutes Gefühl ihm gegenüber. Er ist eine starke Persönlichkeit, man wird sich auf ihn verlassen können. Bei solchen Pferden, wie er es ist, ist eine sehr starke Pferd-Mensch Verbindung möglich. Der Mensch, der es versteht, ihm die Zeit zu geben die er braucht, um das Vertrauen in dem zu finden was er ihm abverlangt, der wird sein Herz gewinnen.
Unglaublich so viel Sanftmut ...

Wie Lange? (08.10.2008)
Immer wieder werde ich gefragt: „Wie lange dauert die Grundausbildung eines Pferdes?“ Ich kann es nicht sagen. Es hängt davon ab, wann mir das Pferd anbietet den nächsten Schritt zu gehen, und es hängt davon ab, wieviele solche Angebote ich schon erhalten habe und sie nicht erkannt hatte. Manchmal geht es mir so in der Arbeit mit den Pferden, dass ich es nicht erkenne, wenn mich die Pferde, mit ihrer Art zu sprechen, auf etwas hinweisen, dass für sie wichtig ist, bzw. was sie brauchen, um das auszuführen, was ich ihnen abverlange. Manchmal bin ich ein guter Zuhörer und erkenne schneller, was sie mir sagen wollen.

Tränen in den Augen (08.10.2008)
Eine Reiterin oder ein Reiter haben sich schon vorgestellt, was sie ihrem Pferd heute alles abverlangen. Ja, sie wollen ihre Bedürfnisse stillen. Es wird immer wieder vorkommen, dass wir in unserer Euphorie die Bedürfnisse unserer Pferde vergessen. Es gibt Menschen, die einem helfen, dies zu erkennen!

Ein Tournierwochenende ... (02.09.2008)
... ist zu Ende. Schöne Erfolge können gefeiert werden und interessante neue Aufgaben haben sich ergeben.
Ich finde es toll, wenn sich Menschen mit ihren Pferden in eine Extrem-Situation begeben. Sie können genau erkennen wo sie stehen in der Mensch-Pferd Beziehung und sie können erkennen wo sie stehen in der Mensch-Mensch Beziehung. M
an hört immer wieder wie jemand veruteilt wird für das was er tut. Es ist der einfache Weg wenn man sagt, so kann man nicht sein. Sich zu erkennen geben, es einfach beim Namen zu nennen, ermöglicht einem oft eine Lösung zu finden und Verständnis für diese Situation zu haben. Ich weiß, es gehört viel Mut dazu, verdammt es lohnt sich, es gefühlvoll gesagt zu haben. Ein jeder von uns braucht Menschen um sich, die Geduld mit einem haben und einem die Zeit geben ,die man für jeden Abschnitt des Lebens braucht. Ich wünsche mir Menschen um mich, die mir dabei helfen. Ich wünsche mir, dass wir aufeinander zugehen und sagen wenn es uns nicht gut geht, Verständnis mit den Aufgaben anderer zu haben, auch wenn es für einem selbst leicht lösbar wäre. Ich wünsche mir von Herzen, dass sich immer mehr Menschen um mich sammeln, die keine Vorurteile haben, die mit offenen Armen da stehen, wenn sich andere uns anschliessen wollen. Jeden Tag arbeite ich an mir, dass auch ich so ein Mensch werde.

Der wahre Lohn (24.08.2008)
Die Pferde haben mir gezeigt wie es im Leben ist miteinander gut auszukommen. Sie haben mir gesagt: Hör´ zu, schau hin, und ein jedes von uns wird Dir zeigen was uns gut tut und was nicht. Je besser es mir gelingt das wahrzunehmen, desto mehr Vertrauen wird mir entgegengebracht. Beim Stecken der  Ziele muss ich acht geben, dass ich keine Erwartungshaltung einnehme. Wenn Du für das was Du gibst etwas erwartest und es nicht eintritt, bist du enttäuscht und kannst das, was gerade passiert, diese Nachricht die vielleicht gerade kommt, nicht wahrnehmen. Ich glaube das wir den wahren Lohn des Lebens schon im Vorraus bekommen haben, nämlich unseren Geist, unseren Körper, unser Entwicklungspotenzial. Ich freue mich wenn ich zum Leben etwas beitragen kann. Ich glaube das ist der wahre Lohn des Lebens.

Mein Leben hat sich verändert (21.04.2008)
Unser Leben mit den Pferden ist nicht nur die Reiterei; es ist viel mehr!
Es ist Spiritualität, es ist Gefühl, es ist Liebe, es ist das Verschmelzen der gemeinsamen Energien, die Gedanken fließen.
Seitdem ich mit Pferden zu tun habe, hat sich meine Einstellung gegenüber dem Leben verändert.
Seitdem ich Menschen zuhöre, hat sich meine Einstellung ihnen gegenüber verändert.
Seitdem ich dem Wind und dem Rauschen des Baches lausche, hat sich mein Leben verändert.
Seitdem... seitdem... seitdem... seitdem...

Eine Möglichkeit, einem Pferd näher zu kommen (16.03.2008)
Ich gehe mit meinem Pferd spazieren.
Ich gehe neben seiner Schulter.
Ich fühle, ich sehe wann bewegen sich seine Ohren, wohin bewegen sie sich? Dasselbe bei seinen Augen. Wann drückt es mit der Schulter gegen mich? Wann bleibt es auf seiner Linie? Wie ist seine Atmung? Wie entspannt seine Muskulatur? Immer wieder berührt es mich mit seinen Nüstern. Manchmal fragend, manchmal frech. Ich lasse meine Pferde nah an mich heran, um mehr von ihnen zu erfahren.

Eine Bäuerin, die das Leben wahrnimmt (10.02.2008)
Eine Bäuerin sagte zu mir: „Wenn ich einen Leib Brot jemandem gebe, ist es nicht das Geld was mich glücklich macht, sondern die Wertschätzung gegenüber diesem Produkt.“
Es fängt an beim Pflügen, beim Abklauben der Steine beim Setzen des Getreides, beim Jäten des Unkrautes bis zur Ernte. Vieles im Leben wird achtlos zur Seite gegeben; ein jeder Mensch hat nicht die Empfindung bei einem Biss ins Brot die Augen zu schließen und in seinen Gedanken die Entstehungsgeschichte bis zum Geschmack wahrzunehmen.
Ich kann nur hoffen, dass solche Menschen wie diese Bäuerin ihren Weg weitergehen. Das gibt Kraft - ein Lächeln kommt mir über die Lippen.

Leonie-Sophie Felber (26.01.2008)
Ist das wirklich Liebe wenn wir etwas für unseren Besitz erklären? Wie schmerzhaft muss es sein wenn es der Tod uns nimmt? Leonie-Sophie, ein Name der in meinem Ohr so schön klingt. Ein Name der mich hinreißt.
Weinen, weil sie nicht in ihrer materiellen Form bei uns ist.
Lachen und Freude, weil sie in mir mehr geschafft hat als ich selbst und irgendein anderer Mensch auf dieser Welt.
Sie hat mich gefordert und somit hat sie mir gezeigt, wie stark ich bin.
Sie hat mir gezeigt, als viele schon gesagt haben: es geht nicht mehr, dass es doch noch einen Weg gibt.
Oft, wenn mir die Kraft ausgegangen ist, hat sie mir Plätze gezeigt, wo ich mich wieder aufladen konnte und siehe da: am nächsten Tag hatte ich wieder Kraft ohne Ende; ganz gleich ob ich schlief oder nicht.
Sie hat gesagt: "Gehe langsam!". Somit habe ich Dinge gesehen, an denen ich immer vorbeigegangen bin.
Sie hat gesagt: "Sei dankbar!". Damit hat sie Freude in mir geweckt.
Sie hat gesagt: "Schau hin, wenn du Mütter mit Babys siehst!". Damit hat sie mir das Lächeln gelehrt.
Dann ging sie ihren Weg.
So hat sie gezeigt: "Auch wenn du mich gehen lässt, werde ich immer bei dir sein, denn das was du durch mich gelernt hast, wirst du nie vergessen! Somit werde ich immer in deinen Gedanken bleiben!".
Ich bin zufrieden, dass ich so eine tolle Familie und Menschen um mich habe die mein Leben unterstützen und ihm einen Sinn geben. Das sind die Empfindungen von meiner Tochter und mir nachdem wir diesen Verlust verarbeiten konnten. Jetzt können wir lächeln.

In Dankbarkeit

Erich & Elisabeth

Die "Vielleicht"-Gedanken eines Pferdes (15.01.2008)
Wir brauchen sozialen Kontakt; das Licht der Sonne und die Wärme tut uns gut.
Wir brauchen Liebe und Verständnis.
Wir brauchen Bewegung und eine Herausforderung.
Früher war es schön. Wälder und Wiesen - sie gehörten uns allen. Heute wollen Menschen uns ihr eigen nennen. Mein Herz gehört dem, dem ich es gebe. Der Preis dafür ist Aufmerksamkeit und Anteilnahme an meinem Leben.
Ich weiß schon: Du hast mich auf einer Ranch untergebracht, ich habe Freunde gewonnen die mich respektieren wie ich bin, ich habe mich gut eingelebt. Dort will ich bleiben! Es könnte sein, dass Du über meine Bedürfnisse nicht immer nachdenkst. Ich sage sie Dir jetzt nochmals, falls du sie schon vergessen hast.

Ich danke für dein Zuhören!

• Heimweh, Sehnsucht (23.12.2007)
Es war früh Morgens und die Sehnsucht nach seinen Liebsten ließen einen Jungen nicht schlafen. Also stand er auf und ging ans Meer, um sich den Sonnenaufgang anzusehen. Er ging auf den Steg hinaus und lies seine Füsse ins Wasser gleiten. Er blickte zum Horizont über  den die Sonne blickte. Ein schöner Anblick dieser rötliche, runde Ball der gen Himmel empor steigt. Er erblickte auch eine Welle, die auf ihn zukam und seine Füße berührte; sie sagte: „Sei nicht traurig! Ich bring Dir die Sonnenstrahlen, bitte nimm so viel davon, bis Dir warm ums Herz wird, bis ich in Deinen Augen Glück und Freude sehen kann“. Der Junge nahm soviel davon bis er strahlte wie die Sonne und sie lachten gemeinsam. Die Welle sagte: „Ich hätte auch eine Bitte; mein Weg ist hier zu Ende, nimm soviel Du tragen kannst und gib allem Leben auf der Welt bis sie strahlen wie Du, und lach mit ihnen“.  Der Junge bedankte sich, stand auf und sagte zu sich:

Ist das Leben nicht schön!

Ein neuer Weg (23.12.2007)
Du gehst einen Weg entlang, er ist breit und es ist eine Leichtigkeit für dich ihn zu gehen. Du bist gut gelaunt. In der Ferne siehst du etwas was deine Neugier weckt. Du blickst wieder weg und gehst weiter. Irgend etwas verbindet dich mit diesem Etwas. Immer wieder richtest du dein Auge, dein Gefühl  auf dieses Etwas. Lange geht es hin und her bis du nicht mehr weg schauen kannst. 'Na gut' sagst Du Dir, 'ich schlage diese Richtung ein'. Du verlässt diesen bequemen Weg, dieser neue Weg wird schmäler und beschwerlicher, noch nicht wirklich ein Problem. Du sagst dir, 'ich bin schon viele Wege gegangen wo ich nicht gewusst habe, wie sie enden'. Dieser neue Weg bringt neue Aufgaben. Die Menschen die dir nahe stehen sammeln sich um dich. Sie erkennen, dass sich an Dir etwas verändert. Sie fragen Dich, was ist da? Was erkennst Du in der Ferne? So weit es mir möglich ist, gebe ich mich zu erkennen. Wenige von ihnen sagen: „wir gehen mit Dir“, einige schütteln den Kopf, gehen einen anderen Weg und sagen: „vielleicht treffen wir uns wieder“. Ein Teil bleibt und sagt: "Viel Glück!" zu den anderen. Na dann, gehen wir weiter. Der Weg wird schmäler und wir rücken enger zusammen. Da gibt es welche die mich stützen, wenn ich sie brauche; die mich wieder los lassen, wenn sie sehen ich kann alleine gehen. Dann gibt es welche, die sich auf mich hängen weil sie selbst keine Kraft mehr haben zu gehen. Alle kannst du nicht tragen auch wenn du wolltest. Deine Kraft reicht nicht aus. Du lässt sie los und bittest sie umzukehren. Sie sagen zu dir: „bitte komm mit uns“. Du blickst dich um, aber dieses Etwas lässt dir keine Wahl. Habt keine Angst, ich bin immer für euch da, wenn ihr mich braucht. Mit einer kleinen Schar gehe ich meinen Weg weiter, der zum Teil für mich selbst nicht zu erkennen ist. Ich verlasse mich nur mehr auf meinen Instinkt, bin voll bei mir zu Hause. Unter meinen Füssen ist´s so weich, dass ich das letzte aus meiner Wahrnehmung herausholen muss, um nicht durchzubrechen. Das Licht dieses Etwas wird stärker. Ich fühle, dass meine Neugier recht behalten hat. Sie hat mich zu einem Punkt gebracht der mich erfüllt. Viele Fragen, die ich schon lange in mir trage, bekomme ich jetzt beatwortet. Ich bin glücklich und zufrieden. Mir wird bewusst dass ich in ein Auge geblickt habe, dass während des ganzen Weges auf mich gerichtet war. Ich habe vetraut und bin direkt in sein Herz marschiert. Von diesem Platz der Sicherheit aus, richte ich mich auf, blicke in die Ferne und gebe den Weg frei für alle Menschen die ihn gehen wollen.

Ich Liebe es in Freiheit zu leben.

Ehrlichkeit (23.12.2007)
Ist es nicht oft so, dass man aus Bequemlichkeit nicht ehrlich ist? Das man nicht sagt, was man fühlt, weil man Angst hat etwas zu verlieren? Das ein Mensch, den man schätzt, sich von einem abwendet?

Liebe (23.02.2007) 
Die Liebe kann dir keiner nehmen.
Wenn sie kommt muss ich sie annehmen. Ich wünsche  jedem, dass er sie kennen lernt . Es kribbelt im Bauch, man könnte Bäume ausreißen. Es ist ein so schönes Gefühl, dass man -wo auch immer man erscheint- Licht ins Leben bringt.
Wo kommt sie her?  Ich weiß es nicht. Sie ist auf einmal da. Sie ist eine Quelle die Kraft gibt; unendlich viel Kraft.
                                 Du bist und liebst
Keiner kann sie dir nehmen, sie ist unabhängig von dem, der dir gegenüber steht.
                                  Sie macht glücklich
Wie eingebildet der Verstand doch ist, wenn er glaubt, die Liebe lenken zu können. Wenn sie dich wirklich trifft, weiß ich  nicht wie du ihr entkommen könntest, ohne dich selbst zu vernichten. Alle Sinne werden scharf: sie müssen es auch, denn die Liebe ist wie eine Knospe die frisch aus der Erde kommt und verletzbar ist.
Die Liebe durchwandert den ganzen Körper mit soviel Kraft, dass es schmerzt und doch gleichzeitig gut tut. Sogar das Atmen fällt einem schwer; man hat allerhand zu tun, dass sie nicht stehen bleibt.
Ich wünsche jedem dass er die Liebe zulässt, wenn sie kommt.
Die geistige Verbindung ist immer vorhanden wenn die Liebe auf Gegenseitigkeit beruht. Du spürst es wenn an dich gedacht wird. Entscheidungen die getroffen werden hast du schon geahnt. Ich glaube dass die Liebe noch die einzige Verbindung ist, wenn man seinen Körper verlassen hat.
Wenn du liebst lässt du zu, dass in deinem Herzen ein Nest gebaut wird, ja du hilfst sogar dabei. Dieses warme, weiche Nest das deinen Geist und Körper stützt, ohne das du das Gefühl hast das dich etwas drückt, tut so gut.
                               Dieses tiefe Vertrauen

Die wahre Liebe kommt auf dich zu und nimmt dich mit für immer…..

Differenzen(19.11.2006) 
Eine Spannung zwischen zwei Menschen muss nicht sein. Natürlich muss man sich nicht rechtfertigen. Natürlich kann ich leben wie ich will. Ich habe ein Recht darauf!
Einem Menschen, der einem wichtig ist, an seinem Leben und seinen Entscheidungen teilhaben zu lassen, stärkt das Vertrauen zueinander.

Ich denke so!

Dreams
Meinen Gedanken freien Lauf lassen…
Meine Träume aussprechen…
Gegenüber sitzen Menschen die mir zuhören...
Ich bin wie ein offenes Buch: Jeder kann darin lesen.
Diejenigen, die meine Träume gut heißen, werden mich unterstützen.
Das gibt mir Kraft!

Silence is golden 
Es gibt Tage, da ziehe ich mich ganz zurück – ich schaue tief in mein Innerstes. Ich spreche kaum. Dieser Rückzug in mein Innerstes bewirkt in mir, dass ich ruhiger werde; es kommt mir so vor, als verginge de Zeit viel langsamer. Meine Sinne – Sehen, Hören – werden geschärft. Wenn ich jetzt Pferde beobachte, ist es mir möglich, viel mehr Details in ihrem Bewegungsablauf zu erkennen.

Selbsterkenntnis 
Ein Freund sagte mir einmal, dass ich mich selbst darstelle. Es stimmt!
Wenn ich etwas erlebe, schreibe ich meine Reaktion nieder – auch meinen Gefühlszustand in dem Moment. Wenn ich dann nach einer Zeit etwas Abstand davon gewonnen habe, lese ich es mir wieder durch. Somit kann ich einen Teil von mir „von außen“ betrachten.
Wenn ich das Gefühl habe, dass ich mir durch mein Verhalten selbst schade, versuche ich mich umzuprogrammieren. Ich versuche zum Beispiel ehemalige Laster abzulegen, wie Rauchen, Übergewicht, Eifersucht,…

Verstehen 
Oft fragen mich Menschen, wie sie auf das Verhalten ihres Pferdes reagieren sollen. Um dazu etwas sagen zu können, muss ich das Pferd erst kennen lernen und es beobachten. Nur so kann ich verstehen, warum es sich so verhält.

Danke 
Jedes mal, wenn jemand kommt, etwas von meinem Wissen nimmt und es für sich nutzt, ist dies wie ein Dankeschön!

Begeisterung, Motivation - LEIDENSCHAFT (29.11.2006) 
Es brennt ein Feuer in mir! Ich empfinde Unbeschreibliches, wenn ich auf die Koppel zu den Jungpferden gehe, sie alle zu mir herkommen, mich mit ihren Nüstern ganz sanft berühren und neugierig beobachten. Ja, ich genieße es! Es ist fast so, als würde ich zu ihnen gehören. Ich berühre sie und nehme mir Zeit für sie. Erst wenn die Begrüßung vorbei ist, nehme ich eines von ihnen und beginne mit der Arbeit. Noch nie war ich diesen Geschöpfen so nah!

Ich fühle es – da kommt noch mehr!

Träume werden wahr!
Der Sommer ist vorbei. Ein wunderschöner Herbst ist ins Land gezogen. Jetzt habe ich wieder die Zeit, meine Erlebnisse niederzuschreiben. Heuer hat sich ein Traum verwirklicht: Es ist mir gelungen, ein Grundstück zu pachten und darauf einen Reitplatz mit 40m x 80m zu bauen. Somit habe ich optimale Vorraussetzungen für die Ausbildung der Pferde.

Die kleinen Dinge des Lebens 
Es ist schön, Leute um einen zu haben, die mit Begeisterung meine Erlebnisse verfolgen. Es gibt mir die Kraft, die ich brauche, um meinen Weg weiter zu gehen. Ich brauche Menschen um mich, die in mir ein Feuer entfachen! Sie können es, indem sie mir ihre Aufmerksamkeit schenken.

Jähzorn
Der Jähzorn hat es so an sich, das man den Moment – den Augenblick - in dem er ausbricht nicht wahrnehmen kann. Dadurch kann man seine Aufgabenstellung nicht erkennen.

Ego-Tripp
Wenn ich bewusst etwas mache, bei dem ich einen Vorteil gegenüber einer anderen Person habe, geht es mir nicht gut. Da ich aber will, dass es mir gut geht, habe ich solch eine Aktion abgestellt, als ich sie erkannt habe.

Einsicht
Wenn ich jemanden durch meine Art verletze und es erkenne, dann entschuldige ich mich dafür. Denn wenn sich ein Mensch erst einmal von einem entfernt, dann ist Helfen nicht mehr so leicht möglich.

Just a little respect... 
Oft verstehe ich nicht, warum manche Entscheidungen getroffen werden. Ich kann sie nur respektieren!

Was ist gut? Was ist schlecht? 
Es steht mir nicht zu, zu richten und zu verurteilen, wenn Menschen auf der Suche nach ihrem Weg sich selbst oder andere verletzen. Denn ich glaube, dass niemand bewusst etwas macht, was ihm selbst schadet. Ich für meinen Teil, stelle lediglich einen Zaun um mich herum auf und lasse einen Eingang offen, um zu kontrollieren, dass nichts hereinkommt was mir schadet.

Pflichten
Ich erkenne es als meine Pflicht an, solange zu suchen, bis ich erkannt habe, für was ich geboren bin.
Ich erkenne es als meine Pflicht an, diesen Weg, den mir das Leben zeigt, zu gehen und Erfahren zu sammeln. Nicht nur für mich, sondern für all jene, die sie brauchen können.

What´s wrong? 
Meine Fehler sind die Aufgaben, die ich noch lösen darf, wenn ich will. Aufgaben zu lösen ist spannend – eine tolle Herausforderung. Bis ich eine Lösung für mich gefunden habe, befinde ich mich auf dem Weg, den mir diese Aufgabe vorgibt.

Der Weg ist das Ziel!

Bringt Gewalt etwas? (18.05.2006) 
Gewalt ist für mich kein Weg zur Lösung einer Aufgabe. Sich beobachten oder filmen lassen und anschließend Diskutieren und Analysieren. Es gibt immer eine gewaltfreie Lösung für die Aufgabe die man gestellt bekommt. Vielleicht braucht man nur etwas Abstand!?

Wenn der Geduldsfaden reißt (13.04.2006) 
Immer wieder wird im Training dem Pferd etwas Neues abverlangt. Es regt sich auf, wird zornig – zeigt mir, dass es keine Geduld mehr hat. Mir ist es wichtig, dass ich bei mir bleibe und Ruhe in die Übung bringe. Es ist mir wichtig, das Training immer mit einem zufriedenem Pferd zu beenden.

Feelings
Es ist jedes Mal etwas besonderes, wenn ein Pferd auf mich zukommt, mich mit seiner weichen Nase von oben bis unten Untersucht und dabei sanft berührt – neben mir entspannt stehen bleibt.

Es kribbelt in meinem Bauch – Ein schönes Gefühl

Ein neues Pferd
Ein neues Pferd kommt zu uns in die Ausbildung. Weg von zu Hause, von bekannten Menschen und befreundeten Pferden. Immer wieder lasse ich das Pferd in die Reithalle und begebe mich nach einiger Zeit zu ihm. Nach drei Tagen sucht es von selbst meine Nähe. Jetzt kann ich ihm zeigen, dass bei mir ein angenehmer Platz ist.

Mensch und Tier
Wenn ich mich mit zu vielen Menschen oder Pferden beschäftige, werde ich oberflächlich. Ich will, dass die Menschen und die Tiere um mich zufrieden sind. Das können sie nur, wenn sie mich verstehen und ihren Nutzen daraus ziehen. Dazu muss ich mir einfach die Zeit nehmen, die es dafür braucht.

Vorraussetzungen (18.03.2006) 
Um mich mit meinen Geistigen und Körperlichen Vorraussetzungen verwirklichen zu können, brauche ich gewisse materielle Vorraussetzungen. Genau so viele davon zu besitzen, dass sie mir nicht zur Belastung werden, fordert mich manchmal ganz schön. Meine innere Neugier treibt mich manchmal schneller vorwärts als mir lieb ist. Auch mein Festhalten an alte Gewohnheiten trägt dazu bei, dass sich diese Dinge häufen.

Ich werde mich in Geduld üben und einen Schritt nach dem anderen gehen.

Glaubensfrage
Ab und zu frage ich mich: Habe ich eigentlich das Recht, Pferden etwas gegen ihren Willen beizubringen?
Ich glaube schon. Denn der Mensch lässt das was ihn nicht stört, oder das was ihm einen Nutzen bringt weiterleben

Entwicklung 
Schüler sind meine Lehrer! Mit ihren Fragen erinnern sie mich ständig daran. Auch über das, was ich ständig im spreche - die ständigen Wiederholungen (z.B.: im Unterricht) – komme ich auf die eine oder andere Schwachstelle drauf, welche ich noch verändern muss! Auch das Niederschreiben meiner Gedanken ist ein wichtiger Schritt für meine Entwicklung. In der Öffentlichkeit darüber zu sprechen verlangt von mir oft viel Mut. Ich muss dabei Acht geben, dass ich im Kopf frei bleibe und die positiven Einflüsse, die von anderen Menschen kommen, auch wahrnehme. Oft ist etwas Wichtiges für mich dabei

Umfeld 
Ich pflege mein Umfeld. Ich gebe mich mit Menschen und Pferden ab, die für meine Entwicklung wichtig sind und schenke ihnen meine Aufmerksamkeit. Dadurch werde auch ich für sie wichtig. Ich spreche mit diesen Menschen über meine Gedanken. Diejenigen, denen ich wichtig bin, werden sich damit befassen und mir ihre Meinungen darüber mitteilen. So bedeuten mehrere Meinungen auch ein größeres Angebot von Vorschlägen zur Lösung meiner Aufgaben oder meiner Probleme. Ich beschäftige mich solange mit diesen Vorschlägen, bis ich das Richtige für mich gefunden habe. Erst jetzt treffe ich eine Entscheidung – eine Entscheidung, die Gültigkeit hat, biss etwas Besseres dahergeflogen kommt

Time to relax 
Abstand nehmen vom Training mit dem Pferd tut gut.
Immer wieder ertappe ich mich während des Trainings dabei, wie ich in einen Trott komme und dem Pferd nicht die Aufmerksamkeit schenke, die es braucht. Wenn es soweit ist, wird mein Beruf zur Gefahr! Ein jeder Sturz vom Pferd kann schwerwiegende Folgen mit sich ziehen. Wenn ich zum Beispiel ein junges Pferd unterm Sattel habe, muss ich mich voll aufs Pferd konzentrieren. Dabei ist es mir meist nicht einmal möglich zu grüßen. Sobald ich merke, dass es mir nicht mehr gelingt meine Konzentration auf das zu lenken was ich gerade tue, ist es höchste Zeit um Abstand zu gewinnen. Jeder macht das auf seine eigene Art und Weise. Um den nötigen Abstand zu gewinnen gehe ich, wenn ich Zeit habe in die Natur. Habe ich keine Zeit, begebe ich mich gedanklich an einen ort, an dem ich mich wohl fühle. Ich halte mich solange an diesem Ort auf, bis das Gefühl von ruhe in mir aufkommt.

Lernen (15.03.2006) 
Immer wieder will ich den Weg nach meinen Vorstellungen gestalten, ohne dabei zu berücksichtigen, dass auch die Pferde so ihre Vorstellungen dazu haben.
Einfach einmal zu überlegen, wie man den Pferden verständlich machen kann, dass der Weg, den man sich vorstellt, der bessere für sie ist – das ist der erste Schritt.
Niemals darf hierbei Gewalt im Spiel sein! Der weg, den man gewählt hat, muss für das Pferd einen Sinn ergeben. Erst wenn das Tier so versteht, was man von ihm will, wird es motiviert sein, diesen Weg immer wieder zu gehen.
Der zweite Schritt ist es, bei der Auswahl des Weges auf die körperliche und geistige Kondition des Pferdes zu achten. Auch sollte man bei neuen Lektionen, die das Pferd erlernen soll, hierzu immer einen Platz auswählen, an dem es sich wohl fühlt.
Achte immer darauf: Verlierst du ihr Vertrauen, dann verlierst du auch ihren Respekt!
Gewinnst du beides, dann steht einer tollen Pferd-Mensch-Partnerschaft nichts mehr im Weg. Pferde haben viel Geduld; wenn du ihnen keine Angst machst, kannst du sie nicht verlieren.

Lass dein Herz so groß werden wie das ihre schon ist!

Kolik
Koliken sind immer schlimm, denn man weiß nie, wie sie letzten Endes ausgehen. Heute war es wieder soweit. Das Besondere dabei aber war, dass, neben dem Pferd, ich derjenige gewesen bin, der davon am meisten betroffen war.
Ich ritt gerade in unserer Reithalle und beobachtete nebenbei das Reitgeschehen, als plötzlich eines meiner Pferde damit begann, sich imSchritt merkwürdig zu verhalten. Ich rief sofort unseren Tierarzt. Ein 19-jähriges Pferd, welches hier auf der Ranch aufgewachsen ist, hatte eine schwere Kolik. Sie war so schwer, dass ein Transport auf gar keinen Fall in Frage kam.
Viele verschiedene Dinge spielten sich in diesem Moment in meinem Kopf ab. Meine Gedanken waren immer woanders; so konnte ich das Tier kaum unterstützen. Ich setzte mich schon mit seinem Tod auseinander, obwohl das Pferd noch am Leben war. Dann kam meine Tochter Elisabeth und sprach mit dem Pferd. Sie motivierte es in Bewegung zu bleiben und sie verschwendete keinen Gedanken an den Tod des Pferdes. Elisabeth rief noch eine Bekannte an und bat diese, sie zu unterstützen. Mit vereinten Kräften haben wir dann diese Situation gemeistert: Das Pferd lebt weiter – und ich auch.
Mit einem Mal wurde mir leichter. Die Last auf meinem Rücken wurde kleiner.
Spätestens seit diesem Moment weiß ich, dass hier auf der Ranch viele Menschen aus- und eingehen, auf die man sich verlassen kann und die keine Angst vor Entscheidungen haben.
Hat es so etwas gebraucht um mehr zu Vertrauen?
Hat es so etwas gebraucht um die Stärken derer zu erkennen, die mir doch so nah sind?
Heute habe ich viel gelernt. Ich habe das Bedürfnis Danke zu sagen. Danke, dass die ganze Sache gut ausgegangen ist; Danke, dass ich von Menschen umgeben bin, die nur das Beste wollen.

Auch wenn einem das Leben einmal das Liebste nimmt –
Das gemeinsam Erlebte kann einem nicht genommen werden.

Gemeinsam wandern

Ich fühle, rieche und sehe ein Feuerwerk von Emotionen

Ich wünsche euch einen guten Start.

Die Energie von Mutter Erde soll mit jedem Schritt und Atemzug in euch strömen

und sich kraftvoll und sanft in eure Herzen betten.

Ein jedes Wort, das über eure Lippen kommt, ist ein Zeichen der Liebe.

Diese Liebe strahlt in euren Gesichtern und widerspiegelt die Sonne,

wenn sie ihren besten Tag hat.

Und wenn der Himmel weint, dann sind die Regentropfen wie eure Tränen.

Sie sollen über eure Wangen fließen, den Weg suchen und eure Lippen berühren – wie ein Mensch der liebt.

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Meine Hand

Verbindung zwischen dem Universum und mir

In der Abenddämmerung durch den Wald gehen.

Der Boden dampft nach einem Nachmittagsregen.

Durch den emporsteigenden Dampf sieht es so aus,

als ob der Mond einen rauchigen Mantel an hat,

der durch das Licht des Mondes in vielen warmen zarten Farben

am Himmel schimmert.

Es ist still in mir

Die Augenlieder gehen langsam auf und zu.

Der Atem ist ruhig.

Zeit für meine Augen den Mond zu betrachten.

Ein friedliches Gefühl schicke ich auf Reisen,

bis das vollkommene Glück durch mein Strahlen nach außen dringt.

Der Mond schickt einen Teil seines Lichtes über den Himmel in den Wald.

Die Fichtennadeln glitzern im Mondlicht.

Dampf bahnt sich zwischen den Bäumen entlang und

der Weg beginnt mich zu finden.

Meine Hand fühlt den kühlen Dampf, der zwischen meine Finger durchfließt.

Dabei betrachte ich meine Hand

die Adern - die Sehnen - die kleinen Risse und Spalten.

Bewege sie von einer zur anderen Seite.

Langsames Öffnen und Schließen.

Wow - ist sie Kraftvoll und so zärtlich ein Teil von mir.

Ein lächeln

Danke

 

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